Skip to content Skip to footer

Scherenburg – Info

Über den Dächern der historischen Altstadt Gemündens thront die Ruine der Scherenburg. Die nachweislich ersten Besitzer der Burg waren die Grafen von Rieneck, zu deren Besitz seit dem 13. Jahrhundert ebenfalls die Stadt Gemünden zählte. Die im Steilhang gelegene Ostecke der Stadtbefestigung wird von der Burg eingenommen. Beide stellen somit eine Befestigungseinheit dar, die im Wesentlichen erhalten und durch spätere Veränderungen nur wenig beeinträchtigt ist. Erst seit die Burg 1469 unter Bischof Rudolf von Scherenberg an das Hochstift Würzburg kam, heißt sie „Scherenburg“. Vom Burghof bietet sich ein herrlicher Blick über das Maintal bis zu den bewaldeten Höhen des Spessarts und ins Saaletal.
Von den Burggebäuden sind neben der bis zu 10 m hohen erhaltenen Ringmauer lediglich der runde Bergfried und die Ruine des Wohnbaues erhalten. Außerdem sind, rund 300 m oberhalb im Wald gelegen, noch die Wälle und Gräben der Sloburg zu entdecken, einer ehemaligen aus dem 13. Jahrhundert stammenden Gegenburg zur Scherenburg. Diese mussten wegen einer Fehde zwischen den Rieneckern und den Würzburgern von letzteren wieder abgerissen werden. Ebenfalls einen Besuch wert ist das bauhistorische Denkmal „Ronkarzgarten” unterhalb der Scherenburg und auf dem gegenüberliegenden Saaleufer das sogenannte „Huttenschloss“, welches das Film-Photo-Ton Museum und das Info-Zentrum des Naturparks Spessart beherbergt.

Kontaktdaten:

Stadt Gemünden a.Main
Scherenbergstraße 5
97737 Gemünden a.Main 

Telefon: 09351 8001-0
Telefax: 09351 8001-1199

www.stadt-gemuenden.de

 

Angebote & Öffnungszeiten:

Der Innenhof der Burgruine ist dauerhaft öffentlich zugänglich. Lediglich während der Scherenburgfestspiele von Mitte Juli bis Mitte August sind einzelne Bereiche abgesperrt. Der Bergfried kann aus Sicherheits- und Naturschutzgründen leider nicht erklommen werden.

Es finden regelmäßig historische Stadtführungen statt, die auch die Scherenburg einbeziehen. Diese werden auch speziell für Kinder angeboten. Wenden Sie sich bei Interesse bitte an die Touristinfo Gemünden:
Tel.: 09351/800170   (Mo-Fr  9–12:30 & 13:30–17:30 Uhr, von Mai bis Oktober zusätzlich Sa 10–13 Uhr)
Email: touristinformation@gemuenden.bayern.de

Führungspreise:

  • offene Stadtführung kostenfrei (von April bis Oktober jeden ersten Samstag im Monat um 10 Uhr, Treffpunkt am Rathaus)
  • Gruppenführung 1 Stunde: 30,- €
  • Gruppenführung 1,5 Stunden: 40,- €
  • maximal 25 Personen pro Gruppe

Angebote für Kinder:

Auf dem Walderlebnislehrpfad “Waldkobold Borke führt die Kinder in sein Waldreich” gibt es an 12 Stationen (Holzxylophon, Seilklettern, Baumarten raten, Barfußpfad etc.) zwischen alten Buchen und Eichen viel zu entdecken und zu erleben. Außerdem findet sich ein Abenteuerspielplatz an der Lindenwiese/Duivenallee auf der Saale-Insel direkt vor der Altstadt.

 

Wegbeschreibung:

WGS 84: 50.056638, 9.691540
Burgweg, 97737 Gemünden

Gemünden ist von der B26 aus Richtung Würzburg wie aus Richtung Lohr/Marktheidenfeld kommend nicht zu verfehlen. Die Burgruine selbst ist nur mit Sondergenehmigung direkt mit dem PKW zu erreichen. Von der Stadt führen Fußwege (ca. 10 min) mit Treppenpassagen über den Schlossberg oder über den Schulberg/Kulturhaus zur Burg. Ohne Treppen kommen Sie über den Burgweg hinauf. Bitte beachten Sie, dass einige Teile der Ruine wie das Kellergewölbe nicht barrierefrei zugänglich sind.

Während der Scherenburgfestpiele können gehbehinderte Personen den Fahrdienst unter Tel. 09351/5424 anmelden.

Parkmöglichkeiten:

Am Rande der Innenstadt stehen kostenfreie Parkplätze an der Lindenwiese zur Verfügung. Der Fußweg zur Burg beträgt rund 10 Minuten. Die Parkplätze Plattnersgasse, Mainlände und Mainstraße sind gebührenpflichtig.

Wanderwege:

Neben regionalen Rundwanderwegen liegt Gemünden an mehreren Fernwanderwegen:
Mainwanderweg, Birkenhainer Straße, Fränkischer Marienweg (Nordvariante), Spessartweg 1 und Durch den Sinngrund (Schachblumenweg).

Gastronomie:

In Gemünden steht Ihnen ein reichhaltiges gastronomisches Angebot zur Verfügung. Nähere Informationen finden Sie im Gastronomieverzeichnis der Stadt Gemünden. Übernachtungsmöglichkeiten sind im Gastgeberverzeichnis der Stadt Gemünden gesammelt.

Scherenburg – Geschichte & Archäologie

Historischer Abriss

Stadtansicht Gemündens mit der Ruine der Scherenburg von der Saalespitze aus gesehen. Kolorierter Stahlstich, Carl Mayers Kunstanstalt Nürnberg, nach einer Zeichnung von Fritz Bamberger, um 1840Die Stadt Gemünden und mit ihr die Scherenburg wurden unbestimmte Zeit vor 1243 gegründet, vermutlich noch von Graf Ludwig II. von Rieneck, der 1234 verstarb, und dessen Gemahlin Adelheid. In der ersten urkundlichen Erwähnung 1243 wird Gemünden zwar noch nicht „Stadt“ genannt, sondern nur als „villa“ bezeichnet. Doch es steht außer Frage, dass hier die planmäßige Stadtgründung erfolgte. Der Rechtsstatus der Siedlung war zu dieser Zeit noch umstritten. An dem Verkehrsknotenpunkt seitlich der Saalemündung ist zwingend mit einer Vorgängersiedlung zu rechnen, diese ist bislang jedoch nicht nachgewiesen. Der Saaleübergang, vielleicht auch die Existenz eines kleinen Hafens, werden das Areal schon vor der Stadtgründung geprägt haben. Die sicher bereits 1243 existente Burg ist allerdings erst 1342 eigenständig erwähnt.

Weil der Land- und Schiffsverkehr nach Ansicht des Würzburger Bischofs, Herman I. von Lobdeburg, von der rieneckischen Gründung gestört wurde, kam es bald darauf zum Konflikt. Der Bischof ließ im Zuge dessen oberhalb der Scherenburg eine Gegenburg namens „Florberch“ – heute „Sloburg“ genannt – errichten. Dem aufmerksamen Auge sind ihre unscheinbaren Reste am Schulterpunkt des Bergrückens, rund 350 Meter östlich und 120 Höhenmeter oberhalb der Scherenburg gelegen, unübersehbar. Die Rienecker wiederum erklärten Würzburg ob dieser Bedrohung die Fehde, in deren Verlauf auch Karlburg in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Die Ereignisse lassen sich anhand eines Friedensvertrags rekonstruieren, der am 9. Mai 1243 zwischen Gräfin Adelheid und ihren Söhnen auf der einen und Bischof Hermann auf der anderen Seite geschlossen wurde. Die Rienecker verpflichteten sich darin unter anderem, den Verkehr zu Lande und zu Wasser in Zukunft nicht mehr zu stören. Im Gegenzug ließ Hermann seine Gegenburg niederlegen. Obwohl die Rienecker in dem Dokument eher als unterlegen erscheinen, konnte das Hochstift Würzburg letztlich den Fortbestand der Stadt, die seine Interessen störte, nicht verhindern. Den Rieneckern konnte aber zumindest die Lehenshoheit über Stadt und Burg aufgezwungen werden. Besitzrechtlich war Gemünden fortan geteilt.

Die Stadt muss einen schnellen Aufschwung genommen haben, da bereits 1296 das „Gemündener Maß“ auch außerhalb der Stadt „maßgeblich“ war. Konkrete Informationen über die Entwicklung fehlen jedoch. Nach dem Aussterben der Linie Rothenfels des Rienecker Grafenhauses 1333 wechselte deren Hälfte an Gemünden sehr häufig die Besitzer.

Im Jahre 1469 konnte Bischof Rudolf von Scherenberg Gemünden schließlich komplett dem Hochstift Würzburg eingliedern. Nach ihm wird die Burg heute Scherenburg genannt. Obwohl sie im Bauernkrieg 1525 unbeschädigt geblieben und bis 1598 Amtssitz war, scheint ihre Bausubstanz bereits im 16. Jahrhundert in schlechten Zustand geraten zu sein. Sicherlich war sie 1732, als in der Burgkapelle noch einmal eine Trauung erfolgte, bereits ruinös. 1825 kam die Burgruine in Privatbesitz. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs wurden Stadt und Burg durch Luftangriffe stark zerstört. Seit 1965 ist die Scherenburg im Besitz der Stadt.

 

Baustruktur

Die ursprünglich ummauerte Stadtfläche Gemündens, hervorgehoben auf dem Bayerische Urkatasterblatt um 1850. Geobasisinformation: Bayerische VermessungsverwaltungDie Stadtbefestigung Gemündens besitzt einen fast exakt quadratischen Grundriss, wobei die im Steilhang gelegene Ostecke von der Scherenburg eingenommen wird. Da Burg und Stadtmauer eine fortifikatorische Einheit bilden, ist anzunehmen, dass beide aus einer einheitlichen und gleichzeitigen Planung hervorgegangen sind.

Von den Gebäuden der Scherenburg sind neben der noch bis zu 10 m hoch erhaltenen Ringmauer lediglich der runde Bergfried und die Ruine des Wohnbaues erhalten. Bergseitig wird die Burganlage durch einen tiefen Halsgraben vom nach Norden hin ansteigenden Gelände abgetrennt. Ihr Haupttor liegt auf der Südostseite, sodass sie von außerhalb der Stadtbefestigung zugänglich war, vermutlich von Südosten her über den Burgweg.

[one_third]

Schnitt durch den rekonstruierten Bergfried mit inwändiger Treppenhelix. Bearbeiter: Archimedix GmbH
Schnitt durch den rekonstruierten Bergfried mit inwändiger Treppenhelix.

[/one_third][two_third_last]

Der Bergfried wird von Rundgewölben in drei Geschosse gegliedert. Der ursprüngliche Eingang liegt in fast 12 Meter Höhe im Mittelgeschoss. Ihn erreichte man von der Ringmauer der Burg aus über eine hölzerne Brücke. Das Obergeschoss wird über eine innerhalb der Außenmauer verlaufende Treppe erschlossen und trug einst einen hölzernen Wehrgang. In das Untergeschoss, welches vielleicht als Veließ gedient hat, gelangte man nur durch eine runde Öffnung im Gewölbe, das „Angstloch“.

Der stark zerstörte Wohnbau ist aufgrund seines getreppten Giebels erst ins 14. oder 15. Jahrhundert zu datieren. Er beherbergte auf zwei Geschossen die Wohn- und Amtsräume des Burgherrn bzw. seiner lokalen Amtmänner. Nur noch der zweischiffig gewölbte Keller, einst vorrangig der Weinlagerung gewidmet, ist vollständig erhalten. Der gesamte zum Main hin abfallende Hang südöstlich der Scherenburg ist mit ehemaligen Weinbergterrassen bedeckt.

Diese Ansichtskarte von Gemünden um 1910 wirbt mit einer gepflegten Einkehr im Burgkeller. Repro: Bruno Schneider
Diese Ansichtskarte von Gemünden um 1910 wirbt mit einer gepflegten Einkehr im Burgkeller.

[/two_third_last]

Im Baubestand sowie in Schriftquellen finden sich Hinweise auf weitere Burggebäude. So müssen im Norden, direkt an den Wohnbau anschließend, und im Süden, in Nachbarschaft zum Burgtor, Nebengebäude existiert haben. 1732 noch fand eine Trauung in der Burgkapelle statt. Deren Standort und Aussehen sind jedoch nicht mehr bekannt.

Scherenburg – Medien

Bild vom 15.09,2016
Bildrechte/Fotograf: Ronald Grunert-Held
Bild : Sommer 2011
Bildrechte/Fotograf: Ronald Grunert-Held
Bild: Sommer 2016
Bildrechte/Fotograf: Ronald Grunert-Held
Bild: 4.08.2010
Bildrechte/Fotograf: Eleonore Schuch
Bild : Sommer 2020
Bildrechte/Fotograf: Burglandschaft
Bild : Sommer 2020
Bildrechte/Fotograf: Burglandschaft

Scherenburg – 360° Panoramarundgang

Rekonstruktion der Scherenburg um 1470
Rekonstruktion: Darius Lenz
Bildrechte: Burglandschaft
Rekonstruktion: Darius Lenz
Bildrechte: Burglandschaft
Rekonstruktion: Darius Lenz
Bildrechte: Burglandschaft
Rekonstruktion: Darius Lenz
Bildrechte: Burglandschaft
Rekonstruktion: Darius Lenz
Bildrechte: Burglandschaft
Rekonstruktion: Darius Lenz
Bildrechte: Burglandschaft
Rekonstruktion: Darius Lenz
Bildrechte: Burglandschaft
Rekonstruktion: Darius Lenz
Bildrechte: Burglandschaft
Rekonstruktion: Darius Lenz
Bildrechte: Burglandschaft
Rekonstruktion: Darius Lenz
Bildrechte: Burglandschaft
Zum Hintergrund der Rekonstruktion

Obwohl die Scherenburg eine Ruine ist, thront sie mit zeitloser Erhabenheit über der Stadt wie eine steinerne Krone. Dem romantischen Auge fehlt dort oben nichts: hohe Mauern, mächtiger Bergfried, beherrschender Blick über das Maintal. Doch der einsam aufragende Treppengiebel, Mauerstümpfe und etliche unerreichbare Fenster lassen es vermuten: Da war mal mehr. Viel mehr!

Die Scherenburg ist – wenig überraschend – nicht als riesige Panoramaterrasse gebaut worden. Wie in fast jeder Burg drängten sich auch innerhalb ihrer Mauern einst Wohn-, Wirtschafts-, Wehr- und Repräsentationsgebäude auf engstem Raum. Aus dem Boden ragende Fundamente sowie Fenster, Nischen und Erker in der Ringmauer geben viele Hinweise auf das einstige Aussehen der Scherenburg. Aus Schriftquellen, historischen Abbildungen und Fundstücken lassen sich weitere Details ableiten.

  • Wohnbau und Keller
    Über dem noch erhaltenen Kellergewölbe muss ein großes zweistöckiges Gebäude gestanden haben. Der noch stehende Treppengiebel hatte ein Gegenstück auf der gegenüberliegenden Seite. Mit ca. 9 x 32 Meter Grundfläche war das Gebäude mit Abstand das größte der Burg.
  • Küche
    Direkt neben dem Treppengiebel verraten mehrere Fenster, dass hier ein weiterer Bau stand. Ein Becken mit Ausfluss deutet auf eine Küche hin, was direkt neben dem Haupt-/Wohngebäude Sinn macht und üblich ist.
  • Ringmauer
    Zwischen Treppengiebel und Bergfried hat sich entlang der Ringmauer ein Rest des Wehrgangs – teilweise auf Stichbögen – erhalten. An der Nordecke ragt ein Wehrerker nach außen über die Mauer hinaus. Darunter finden sich auf der Innenseite der Mauer die Auflager der Schleppdächer kleiner Schuppen.
  • Bergfried
    Dem rund 25 Meter hoch erhaltenen Bergfried ist nur wenig Substanz verloren gegangen – eigentlich nur etwas Putz und die hölzernen Bauteile. Der Zugang im Untergeschoss ist nicht original, der ursprüngliche Eingang lag in 12 Meter Höhe. Im Wehgeschoss lief ein hölzerner Wehrgang um die sechs großen Öffnungen herum. Der Turm besaß ein Dach.
  • Tor und Südbau
    Südlich des Bergfrieds und des direkt daneben liegenden Tors wird ein weiteres Gebäude von seinen Fundamentmauern und einer darüber errichtete Holzhütte markiert. Angesichts des Erkers im Obergeschoss muss es zweigeschossig gewesen sein. Die relativ dünnen Fundamente deuten dabei eher auf einen Fachwerkbau.

Die Struktur der Scherenburg lässt sich somit immer noch recht gut erfassen. Wie die nicht mehr erhaltenen Gebäude und Bauteile im Detail aussahen, ist allerdings völlig unbekannt und lässt sich nur mittels Vergleichsbeispielen erahnen. Auf solchen Vergleichen basiert unsere Rekonstruktion der Scherenburg, die in Zusammenarbeit mit der Firma Archimedix entstanden ist.

Das 3D-Modell setzt sich aus einzelnen Elementen zusammen, die auf Grundlage des erhaltenen Bestands von zeitgleichen Gebäuden und von Bildquellen abgeleitet sind. Die Auswahl und Zusammenstellung dieser Einzelelemente ist ein Produkt von Kenntnisstand, Erfahrung und Phantasie der Beteiligten. Die Darstellungen geben folglich nicht die historische Realität wider. Rekonstruktionen können generell immer nur eine Annäherung sein.

‚So könnte es ausgesehen haben.‘

Beteiligte:

  • Dipl.-Ing. Reinhard Munzel – Archimedix GmbH
  • Dr. Darius Lenz – Burglandschaft
  • David Enders M.A. – Burglandschaft
  • Thomas Steinmetz – Burgenforscher
  • Bruno Scheider – Bezirksheimatpfleger Altkreis Gemünden
Detailinformationen zur Rekonstruktion

Ringmauer & Tor

  • Lage/Zustand: größtenteils erhalten
  • Höhe: auf Ostseite (Angriffsseite) Wehrgang in ca. 10 m Höhe, zzgl. Brustwehr; nach Westen & Süden Höhe abnehmend (tragende Stichbögen des Wehrgangs bei Treppengiebel & Tor erhalten)
  • in Mauerstärke integriert bzw. auf Stichbögen ruhend; Brustwehr als durchgängige Wand mit einfachen Schlitzscharten in regelmäßigen Abständen (4-5 m); Wehrerker an Nordostecke auf drei Konsolen
  • einfaches Mauertor im Südosten, Spitzbogengewände außen erhalten, dahinterliegender Stichbogen nach 1920 ersetzt aber authentisch, zwei Torflügel in Angelsteinen, inwändiger Laufkanal für Verschlussriegel, Schwellenhöhe ursprünglich vmtl. niedriger als heute

Graben

  • Lage/Zustand: außen komplett umlaufender Graben; im Norden nur teilweise verfüllt, Halsgraben im Osten komplett verfüllt (seit 2022 finden dort die Scherenburgfestspiele statt), im Süden ebenfalls verfüllt
  • Tiefe: unbekannt; im Norden vmtl. 2-3 m tiefer als heute und mit kleinerer sowie tiefer liegender Berme; im Süden analog zur Nordseite, jedoch mit breiterer Berme zwecks Zuwegung zum Tor vom Tal her; im Osten vmtl. tief in den Fels eingeschnitten (in Kunstdenkmäler Fig. 25 ansatzweise erkennbar), schätzungsweise 4-6 m
  • Tor: vmtl. keine Grabenquerung mittels Brücke o.ä.; Zuwegung von Südwesten über die Berme entlang der Stadt-/Ringmauer

Bergfried

  • Lage/Zustand: bis zum Wehrgeschoss erhalten; Durchmesser am Turmfuß knapp 8 m; Mauerstärke im Untergeschoss ca. 2,50 m, im Obergeschoss ca. 2,20 m, im Wehrgeschoss ca. 1,90 m
  • Zugang: in ca. 12 m Höhe auf Nordseite, Rundbogengewände mit einfacher 45°-Fase, zwei Konsolen für davor liegende Plattform, hölzerne Brückenkonstruktion zur Ringmauer ist anzunehmen
  • Fenster: im Untergeschoss Rest eines Lichtschlitzes auf der SW-Seite ca. 4 m oberhalb heutigem Bodenniveau; im Obergeschoss drei Lichtschlitze zum Treppenaufgang; im Wehrgeschoss sechs große Öffnungen (1,90 m – 2,25 m Durchgangshöhe, keine Gewände, Stichbögen)
  • Wehrgeschoss: außen umlaufender hölzerner Wehrgang ist anzunehmen (s. Kunstdenkmäler S. 47); im erhaltenen Baubestand sind keine Hinweise auf stützende Kragbalken ersichtlich (Drohnenbefliegung 2020), der oberste Teil des Bergfrieds ist durch moderne Sicherungsmaßnahmen jedoch stark überprägt
  • Dach: Konstruktion sowie Dachhaut unbekannt; vmtl. Kegeldach auf vollem Turm-Durchmesser mit konstruktiv verbundenem Wehrgang nach Art einer umlaufenden Hurde auf Mauerabsatz und/oder Kragbalken

Wohnbau

  • Lage/Zustand: Grundriss gesichert, Gewölbekeller komplett, obertägig nur Nordwand erhalten; 2 Vollgeschosse in Stein, Dachgeschoss mit Treppengiebeln; Bauzeit vmtl. erst nach 1469 (unter Würzburger Herrschaft)
  • Keller: zweischiffiges Gewölbe in 7 Jochen, nach Westen 6 kleine rechteckige Fenster mit einfachen 45°-Fasen (mittleres Joch laut Kunstdenkmäler S. 41 Fig. 23 ohne Fenster); südwestlicher Eckverband außen noch erkennbar; heutiger Zugang nicht original, ursprünglicher Zugang von Süden her ins östliche Gewölbeschiff ca. 1,60 m breit (heute vermauert, Baufuge erkennbar)
  • EG & OG: Geschosshöhen an Nordwand ablesbar (Laufniveau des EG ursprünglich etwas tiefer als heutiges Burghofniveau); hohe, vertikal geteilte Fenster mit gefasten Gewänden in Nordwand; Gebäude angesichts großflächiger Putzreste an nördlicher Giebelwand einst verputzt; Portal im EG und Kapellenerker im OG spekulativ;
  • Dachgeschoss: Höhe und Dachneigung an erhaltenem Stufengiebel ablesbar; Giebelstufen ursprünglich symmetrisch (laut Foto um 1920 in Kunstdenkmäler S. 42 Fig. 24); Dachstuhl vmtl. nur zu Lagerzwecken genutzt, da die renaissancezeitlichen Dachgeschossfenster in der Giebelwand erst nachträglich wurden; Belüftungsgauben nach Vergleichsbeispielen, Anschluss an Wehrgang im Nordosten fraglich; Dachhaut aus Hohlziegel in Mönch-Nonne (Reste in nördlicher Giebelwand, Hohlziegelfund aus Gewölbekeller)
  • Aborterker: in EG und OG vmtl. bauzeitlich (15. Jh.) erhalten, in DG/Giebel scheinbar nachträglich hinzugefügt (geringere Fläche); Abdeckung mit Sandsteinplatten vmtl. original

Nordbau

  • Lage/Zustand: nur Nordwand erhalten; mindestens zwei Geschosse, die annähernd mit denen des Wohnbaus korrespondieren; nordöstliche Ecke außen mit deutlichem Absatz im Ringmauerverlauf (Versprung von ca. 10 cm)
  • EG: in Nordwand zwei große rechteckige Gewände, bodennahes Ausflussbecken in der Südecke
  • OG: Senkscharte mittig in der Nordwand
  • Probleme: Verhältnis zum darüber liegenden, von Stichbögen getragenen Wehrgang unklar; Dachform und -haut sowie Dachanschluss zur Ringmauer im Norden und zum Wohnbau im Westen unklar
  • Funktion: Angesichts der direkten Nachbarschaft zum Wohn-/Herrschaftsbau und des Ausflussbeckens im Erdgeschoss vmtl. Küche; Senkscharte belegt Wehrfunktion des OG

Südbau

  • Lage/Zustand: Sockelmauer im Grundriss um 1920 angedeutet; Südwand in Lithografie um 1840/1850 dargestellt; vmtl. zweigeschossig
  • EG: Fenster und Zugang spekulativ
  • OG: im Osten (Abort-)Erker auf Konsolensteinen, darüber Wehrgang auf nach Norden hin ansteigenden Stichbögen; sonst hypothetisch
  • Probleme: Verhältnis zum darüber liegenden, von Stichbögen getragenen Wehrgang unklar; Dachform und -haut sowie Dachanschluss zur Ringmauer im Osten unklar; Endverband von Ringmauer & Wehrgang im Süden

weitere Gebäude

  • Keller: laut Kunstdenkmäler S. 47 weitere, verfüllte Keller östlich des Wohnbaus; heute nicht mehr zu verorten, Rekonstruktion der zugehörigen Gebäude unmöglich
  • Kapelle: Existenz sicher, 1732 letzte Hochzeit in der Burgkapelle; Standort unbekannt, in Tornähe kaum möglich, am ehesten im OG des Wohnbaus zu vermuten
  • Randbebauung: spekulativ; kleine Gebäude, Hütten und Verschläge sind zu vermuten aber unbewiesen; am ehesten entlang der nordöstlichen Ringmauer vorstellbar; ein gestufter Mauervorsprung in 3-4 m Höhe könnte als Auflager für Pultdächer gedient haben
  • Stadtmauer: Schenkelmauern der Stadtbefestigung schließen direkt an Ringmauer der Burg an; deutlich niedriger, ohne Wehrgang

westlicher „Zwinger“

  • Lage/Zustand: Mauer bis Laufniveau größtenteils erhalten; keine Brustwehr vorhanden
  • Funktion: fortifikatorisch unsinnig; wahrscheinlich nur einfache Terrassenmauer, Fläche vmtl. als Burggarten genutzt
  • Zugang: unbekannt/spekulativ; vmtl. von oben (Burghof) her

 

Literatur

Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hg.): Bezirksamt Gemünden. Die Kunstdenkmäler von Bayern. Regierungsbezirk Unterfranken XX, München 1982, unveränderter Nachdruck der Ausgabe München 1920, S. 42-47.

Ludwig Braunfels: Die Mainufer und ihre nächsten Umgebungen. Mit 54 Stahlstichen, nach Originalzeichnungen von Fritz Bamberger, Würzburg 1847.

Barbara Schock-Werner: Hölzerne Bauteile an Burgen auf mittelalterlichen Darstellungen.
In: Barbara Schock-Werner (Hg.): Holz in der Burgenarchitektur. Wissenschaftliches Kolloquium des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Burgenvereinigung Schloss Sayn 2003, Braubach 2004, S. 43-48.

Joachim Zeune: Hölzerne Wehrelemente an Burgen in historischen Bildquellen.
In: Barbara Schock-Werner (Hg.): Holz in der Burgenarchitektur. Wissenschaftliches Kolloquium des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Burgenvereinigung Schloss Sayn 2003, Braubach 2004, S. 33-42.

Schulprojekt: Die eigene Burg Alzenau aus Holz

In unmittelbarer Nähe zur Burg liegt die Hahnenkamm-Schule zur Lernförderung. Dort finden regelmäßig Kurse statt, in welchen die Schüler*innen unter der Anleitung eines Zimmerermeisters Objekte aus Holz selbst anfertigen. So entstanden zum Beispiel in den letzten Jahren tolle selbstgemachte Weihnachtsdekorationen. Durch eine identitätsstiftende Aktion möchten wir hier exemplarisch die Kinder und Jugendlichen insbesondere für die „eigene Burganlage vor der Haustür“ und somit für die Regionalgeschichte sensibilisieren. Unter dem Motto „Wir bauen uns unsere eigene Burg“ soll im Rahmen eines solchen Holzwerkkurses die Schulgruppe die Burg Alzenau unter Anleitung nachbauen. Teil unseres LandKULTUR-Konzeptes ist es, neben einer beispielhaften Umsetzung eines solchen Projektes, auch die Visualisierung eines vereinfachten Bauplans einer Burg, der sich insbesondere zum eigenständigen Werken gut eignen soll.

Auf Grund der Corona-Pandemie findet die Umsetzung dieses Schulprojektes voraussichtlich während des Schuljahres 2020/2021 statt.

Das Faltblatt als Download
(PDF – 3MB)

Die Gesamtbroschüre als Download
(PDF – 15MB)

Die Infotafel als Download
(PDF – 1MB)