Kirche St. Vitus – Info

Die katholische Pfarrkirche St. Vitus stammt ursprünglich aus dem 11. Jahrhundert und wurde seitdem mehrfach umgebaut und erweitert. Sie liegt erhaben auf dem Kirchberg, innerhalb des von einer Mauer umfassten Friedhofs. Bis auf eine zeitweise Unterbrechung in den Jahren 1971 bis 2008, war St. Vitus seit dem Mittelalter die Pfarrkirche von Sailauf und Umgebung.
Der um 1080 errichtete romanische Glockenturm zählt zu den ältesten erhaltenen Bauteilen. Seit 1789 wird das Aussehen des Gotteshauses vom spätbarocken Kirchenschiff geprägt, das an Stelle eines Vorgängerbaus aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet wurde. Die prächtige Innenausstattung stammt vornehmlich aus der Zeit des Barocks, darunter ein vergoldetes Tabernakel der Würzburger Bildhauer Balthasar Esterbauer und Johann Peter Wagner. Es ruht auf einem von Säulen getragenen Altartisch im Chorraum und befand sich ursprünglich in einem Seitenschiff des Würzburger Doms (seit 1901 in Sailauf). Der farbig gefasste Innenraum der Pfarrkirche wurde erst um 1900 im Stil des Historismus ergänzt und ist seit den 1980er Jahren, nach umfassender Sanierung und teilweiser Rekonstruktion wieder sichtbar. Die letzte Renovierung fand 2006 bis 2008 an Dach und Fundamenten statt. Ein moderner würfelförmiger Sakristeianbau ergänzt seither die Nordpartie der Kirche.
Kontaktdaten:
Katholisches Pfarramt Sailauf
Kirchberg 4, Altes Pfarrhaus
63877 Sailauf
Telefon: 06093 / 486
Mo. 15-17Uhr, Do. 9-11Uhr (Karin Blank)
E-Mail: pfarrei.sailauf@bistum-wuerzburg.de
Pfarrgemeinderatsvorsitzende
Susanne Mahlmeister
Telefon: 06093 / 7976
E-Mail: Susanne.Mahlmeister@t-online.de
Förderverein für Heimat und Geschichte e. V.
E-Mail: info@fv-sailauf.de
www.fv-sailauf.de
Der Förderverein kümmert sich zusammen mit der Pfarrgemeinde und der Gemeinde Sailauf um den Erhalt der Vituskirche.

Angebote & Öffnungszeiten:
8-19 Uhr; Kirchführungen auf Anfrage (Kontakt: Förderverein); regelmäßige Gottesdienste
Preise: Freiwillige Spende
Wegbeschreibung:
WGS 84: 50.024179, 9.254463
Kirchberg 8, 63877 Sailauf
Die Pfarrkirche St. Vitus (WGS 84: 50.024179, 9.254463), Kirchberg 8, ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Buslinie 45) zu erreichen. Parkmöglichkeiten befinden sich in der Ortsmitte am Bürgerzentrum oder auf dem Kirchberg, Zufahrt über Rottenberger Straße. Dort ist die Kirche, von der Nordseite her, barrierefrei zu erreichen.
Europäischer Kulturweg „Bleckmaul“
Durch Sailauf führt der Europäische Kulturweg „Bleckmaul und Sailaufit“. Er beginnt mit der ersten Station an der Kirche St. Vitus mit dem sogenannten „Bleckmaul“. Von unten gesehen, recht unscheinbar, erscheint die kleine Tierfratze unter dem Dachabsatz des Kirchturms in Richtung Norden. Diese Bauzier in Form eines Tierkopfes soll dort in Richtung Rottenberg und Eichenberg eingelassen worden sein, da sich diese Filialkirchengemeinden dem Volksmund nach weigerten, einen Beitrag für die Erhöhung des Kirchturms zu leisten.
Weitere Informationen zu den Europäischen Kulturwegen erhalten Sie unter:
www.spessartprojekt.de
Kirche St. Vitus – Geschichte & Archäologie
Der Sailaufer Kirchberg mit der Vituskirche inmitten des historischen Friedhofs ist seit vielen Jahrhunderten ein Ort der Sammlung und Gottesbegegnung. Vor Errichtung der ersten Steinkirche existierte vermutlich bereits eine Holzkirche und der Friedhof wurde wohl schon lange Zeit genutzt. Nach den Berechnungen des Pfarrers Bonaventura Ruf (*29.10.1859 in Bürgstadt, †3.1.1939 in Rüdenschwinden) sollen bis dahin schon ca. 40000 Tote bestattet worden sein. Pfarrer Bonaventura Ruf wurde in Sailauf Dechant und Geistlicher Rat. Er bekleidete sein Amt in Sailauf für 50 Jahre – 1888 bis 1938, verstarb in seinem Alterssitz Rüdenschwinden und fand auf dem Friedhof auf dem Sailaufer Kirchberg seine letzte Ruhestätte.
Die Kirchengründung von St. Vitus geht ins 11. Jahrhundert, oder früher, zurück. Im Jahre 1279 wurde St. Vitus dem Stift Aschaffenburg inkorporiert, also einverleibt, und der Pfarrbesitz in einer Schriftquelle erwähnt. In selbigem Jahr wird anscheinend auch erstmalig ein Name eines Sailaufer Pfarrers, Heinrich von Scheckelnberg, erwähnt. Aufgrund der Inkorporation war er der letzte selbständige Pfarrherr von Sailauf. Sailauf gehörte bis zur Säkularisierung zum Mainzer Bistum, ist Urpfarrei im Mainzer Spessart und somit Mutterkirche der im Vorspessart gelegenen Kirchen. Seit dem Mittelalter ist die Tradition von St. Vitus als Pfarrkirche von Sailauf nahezu ununterbrochen. Ab 1971 wurde lediglich für einige Jahre der mittlerweile wieder abgerissene Neubau der modernen Auferstehungskirche (1971-2008) als Pfarrkirche genutzt. Ab 1989 diente die Vituskirche als Zweitkirche für Taufen und Trauungen. Seit 2008 ist St. Vitus wieder die reguläre alleinige Pfarrkirche.
Baubeschreibung und Innenausstattung
Der heutige Kirchenbau stammt vornehmlich aus dem Jahre 1789 und wurde mehrfach restauriert. An den mittelalterlichen Turm schließt sich das spätbarocke Kirchenschiff an, das durch vier Fensterachsen gegliedert ist. Der eingezogene Chor erstreckt sich über eine weitere Achse nach Osten und ist dreiseitig geschlossen. Die bodentiefen Fensternischen werden von toskanischen Pilastern flankiert. Die bleiverglasten Rundbogenfenster werden um 1860/70 datiert und sind mit der Signatur von H. Beiler, Heidelberg, versehen. Der Kirchenraum wird von Wandmalereien des 19. Jahrhunderts geziert, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts weiß übertüncht und erst 1987–89 farbenprächtig rekonstruiert wurden. Im Stil des Historismus mit üppigen floralen Motiven zeigt das Bildprogramm im Chor Medaillons mit Darstellungen der vier Evangelisten, des Erzengels Michael sowie des Agnus Dei (Lamm Gottes) und oberhalb des Altars weitere bildliche Darstellungen.
Die prächtige Innenausstattung stammt vornehmlich aus der Zeit des Barocks. Der goldene Tabernakel des prächtigen Hochaltars ruht auf einem von vier Säulen getragenen Altartisch. Darauf sind verschiedene christologische Themen aufgegriffen, so thront das Agnus Dei auf sieben Siegeln im Strahlenkranz, flankiert von zwei anmutigen Engeln. Das wertvolle Kunstwerk stammt aus den Händen von Balthasar Esterbauer und Johann Peter Wagner. Der Altaraufsatz war ursprünglich in einem Seitenschiff des Würzburger Doms aufgestellt, 1874 kam er nach Wörth am Main. 1901 erwarb ihn die Pfarrei Sailauf. Der Volksaltar und Ambo wurden erst 1989 für die Kirche angefertigt. Die Altargemälde der Seitenaltäre sind Werke des Aschaffenburger Malers Edmund Seeland von 1800. Der Marienaltar ist vor allem wegen der spätgotischen Statuen der Heiligen Margaretha und Benedikt, wohl um 1500, beachtenswert. St. Vitus auf dem südlichen Altar wird von den Heiligen Wendelin und Paulus begleitet. An der nördlichen Kirchenschiffswand dominiert die aus der Erbauungszeit stammende Kanzel, deren Medaillons Jesus als guten Hirten und König thematisieren.
Heiliger Vitus – Nothelfer und Patron
Der heilige Vitus – einer der vierzehn Nothelfer – ist Patron und Namensgeber der Sailaufer Vituskirche. Der zweite Patron ist der heilige Sebastian. Die Pfarrkirche beherbergt eine Vielzahl sehenswerter Kunstwerke, die unter vielen weiteren mehr auch diese Heiligen darstellen. Darunter eine kleine Vitusfigur im Ölkessel, die zum Patroziniumsfest am 15. Juni feierlich mit einem Blumenkranz geschmückt wird. Außerdem, in einer der Fensterachsen im Langhaus, eine barocke Figur des Heiligen mit Palme, Hahn, Buch und Fürstenhut, dessen Fuß auf dem Ölkessel ruht. Auch auf dem Ölgemälde des südlichen Seitenaltars befindet sich der heilige Vitus, auf sein Martyrium in einer Szene im Hintergrund deutend. Auch das in der Barockzeit ergänzte südliche Friedhofsportal bekrönen der Hl. Vitus (links), der Hl. Sebastian (rechts) und die Muttergottes.
Klangvolles Sailauf: Orgel und Glocken
Seit Dezember 2014 erklingt im Kirchenraum die englische Orgel der Firma Harrison & Harrison aus Durham von 1902. Die Pfarrei erwarb sie von der methodistischen Gemeinde in Harrogate und ließ sie umfassend von Orgelbau Martin Karle aus Zellingen restaurieren. Die Orgel verfügt über 26 Register, 3 Manuale und Pedal. Die Bemalung der Pfeifen richtet sich nach historischen Vorbildern. Seitdem finden regelmäßig Orgelkonzerte mit namhaften Künstlern statt. Eine 100-seitige Festschrift gibt ausführlich Auskunft über die Geschichte der Sailaufer Orgeln und das Orgelprojekt 2012 bis 2014. Eine weitere klangvolle Besonderheit der Vituskirche sind die acht Glocken, die im Glockenturm hängen. Die Älteste stammt noch aus dem 14. Jahrhundert. Von der größten bis zur kleinsten Glocke sind dies seit 2008: St. Gertrudis (Martin Moller 1478), Christus Rex (Otto 1950), Assumptio (Otto 1950), Die Armen Seelen geleit ich (Perner Passau 1969), St. Vitus steh uns bei (Perner Passau 1988), historische Glocke (14. Jh.), Heiliger Josef (Perner 1988), Heiliger Sebastian (Perner 1988).
Architektonische Gestalt und Bauphasen
Die historische Entwicklung der Sailaufer Pfarrkirche ist von vielzähligen Veränderungen geprägt. Der heutige Kirchenbau geht in seiner Grundform auf die Steinbauphase von 1789 (Bau 4) zurück. Diesem lassen sich insgesamt drei Vorgängerbauten aus Stein nachweisen. Wobei eine wiederum noch ältere Kirche in Holzbauweise an selbigem Standort bereits gestanden haben könnte.
Der spätbarocke Kirchenbau (Bau 4) wurde, wie auch die noch älteren Vorgängerkirchen, an nahezu derselben Stelle des Kirchbergs errichtet, in seiner Form jedoch über die Jahrhunderte mehr und mehr nach Osten verlängert und somit der Baukörper vergrößert. Die stete Erweiterung wird durch die Zusammenführung der vier Grundrissskizzen besonders deutlich (siehe Abb.). Die Grundrisse sind hier nur schematisch, ohne bauliche Details, dargestellt.
Die vier Steinbauphasen von St. Vitus in Sailauf :
Bau 1: rosa, um 1080 / 11. Jh. (romanisch),
Bau 2: lila, undatiert (wohl romanisch, 12. / 13. Jh.),
Turm: violett (Bau 1 oder Bau 2),
Bau 3: grün, um 1576, (nur Südpartie archäologisch gesichert),
Bau 4: braun, 1789 (barocker Umbau, heutige Pfarrkirche).
Bearbeitung: Regine Klein, Burglandschaft
Bau 1 (rosa): Erste Steinbauphase, um 1080 / 11. Jh.
Die erste Steinbauphase (Bau 1) stammt wohl aus der Zeit um 1080 und gehört dem romanischen Baustil an. Der damals – wie heute noch – ebenso nur einschiffige längsrechteckige Baukörper ist insgesamt kleiner als in späteren Bauphasen. Das Kirchenschiff von Bauphase 1 misst an seinen Außenwänden nur 12,70 x 7,50 m, bei einer Mauer- bzw. Fundamentstärke von 0,90 m. Die Außenmaße des Chors sind mit 5,60 x 5,50 m fast quadratisch, bei einer Mauerstärke von 0,70 m.
Der Turm (violett):
Es ist anzunehmen, dass der romanische Glockenturm entweder bereits zu dieser frühen Phase um 1080 (Bau 1) oder auch erst kurze Zeit darauf im Zuge des Neubaus (Bau 2) errichtet wurde. Fest steht, dass es sich bei den unteren Turmgeschossen um die ältesten erhaltenen Bauteile der Vituskirche handelt. In seinem Grundriss bleibt er seit dem Mittelalter unverändert. Lediglich die oberen Geschosse werden in späteren Jahrhunderten (in Bauphase 3 sowie bei späteren Renovierungsmaßnahmen) verändert und teilweise umgebaut.
Bau 2 (lila): Zweite Steinbauphase, undatiert

Der zweite Steinbau (Bau 2) ist aufgrund der architektonischen Gestalt des Baukörpers wohl ebenfalls in die Zeit der Romanik (wohl Spätromanik, beginnende Frühgotik) einzuordnen und könnte aus dem 12. / 13. Jahrhundert stammen. Er erscheint insgesamt etwas größer, höher und das Dach etwas steiler als beim Vorgängerbau. Untersuchungen am Originalbestand geben Auskunft über die Schiffshöhe sowie Dachneigung von Bau 2, denn der Ansatz des Giebels hat sich mit einer Dachneigung von etwa 50° an der östlichen Glockenturmwand bis heute erhalten.
Bau 3 (grün): Dritte Steinbauphase, um 1576
Zwischen 1574 und 1579 fand sodann die nächste Erweiterung des Kirchenschiffs und somit die um 1576 datierte, dritte Steinbauphase (Bau 3) statt. Mauerfragmente im Südbereich (dunkelgrün) konnten bei einer Grabung in den 1980er-Jahren archäologisch bestätigt werden. Über das genaue Aussehen und die Höhe des aufgehenden Baukörpers (Schiffswände, Dach, Nordwand- u. Chorpartie) liegen bislang keine eingehenden Forschungserkenntnisse vor, sodass über den dritten Vorgängerbau bisher nur Vermutungen angestellt werden konnten. In der Grundrissskizze ist der unerforschte Nordbereich hellgrün, der Südbereich dunkelgrün eingefärbt.
Bau 4: Vierte Steinbauphase, 1789 (heutiger Kirchenbau)
Die spätbarocke Vituskirche des 18. Jahrhunderts entstammt bereits der vierten umfassenden Steinbauphase (Bau 4). Pfarrer Anton Köhler nahm dafür im Jahre 1781 die Vorarbeiten in Angriff und beauftragte Baumeister Adam Vill aus Aschaffenburg mit dem Kirchenbau, den dieser zu Martini am 11. November 1789 fertig stellte. Bau 4 hat sich in seiner Grundform bis heute erhalten. Vornehmlich der Innenraum wurde in späteren Jahrhunderten mehrfach umgestaltet und ist im historistischen Stil farbenprächtig nach der umfassenden Renovierung in den 1980er-Jahren wiederhergestellt worden.
Weitere Informationen zur architektonischen Gestalt der Vituskirche sind auf der Homepage der Burglandschaft im Unterpunkt „3D-Modelle“ ergänzt.
Ein ergänzender Text ist mit freundlicher Genehmigung vom Pfarramt Sailauf zur Verfügung gestellt worden:
Literatur (Auswahl, alphabetische Reihenfolge):
Lippert, Rudolf Josef: Sailauf und Eichenberg im Lichte der Überlieferung, Obertshausen 2003 (Erweiterung der Erstauflage: Die Bevölkerung von Sailauf aus alten Dokumenten, 1987).
Lippert, Rudolf Josef: Die Mutterpfarrei Sailauf und ihre Pfarrherren. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte, Sailaufer Heimatschriften, Bd. 2, Sailauf / Obertshausen 1989.
Mader, Felix (Hg.): Bezirksamt Aschaffenburg. Die Kunstdenkmäler von Bayern. Regierungsbezirk Unterfranken (Bd. 24), bearb. v. Feulner, Adolf / Röttger, Bernhard Herm., München 1927 (ND München / Wien 1981).
Reinhardt, Maria: Vorgeschichte des Baus der Sailaufer St. Vituskirche von1789. In: Mitteilungen aus dem Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, Bd. 3 (8), 1992, S. 455-462.
Schmitt, Blanka (u.a.): Zur Konsekration und 200-Jahr-Feier am 17. Juni 1989. St. Vitus-Kirche Sailauf, Sailaufer Heimatschriften, Bd. 3, hg. v. Kath. Kirchenstiftung, Sailauf 1989.
Vychitil, P. / Wamser, L.: Ausgrabungen in der ehemaligen Pfarrkirche St. Vitus zu Sailauf. Landkreis Aschaffenburg, Unterfranken. In: Das archäologische Jahr in Bayern 1983, hg. v. Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege / Gesellschaft für Archäologie in Bayern, Stuttgart 1984, S. 153-155.
Außerdem ist auf der Homepage des Fördervereins (www.fv-sailauf.de) eine umfassende Publikationsliste veröffentlicht, darunter etwa die regelmäßig erscheinenden Jahresschriften sowie eine Vielzahl unterschiedlicher Publikationen zur Geschichte und Heimatforschung. Diese können vor allem für Einzelthemen herangezogen werden, wie etwa die Veröffentlichung Pfarrer Rufs zu den Figuren bzw. skulpturalen Ausstattung der Vituskirche in den Jahresschriften u.v.w.m.
Regine Klein M.A., geb. Hörl, Burglandschaft e.V.
Kirche St. Vitus – Medien
Die vier Steinbauphasen sind – neben der zweidimensionalen Zusammenführung der Grundrissskizzen (siehe dazu Unterpunkt: Geschichte) – u.a. mittels virtueller Rekonstruktionen visualisierbar. Diese 3D-Modelle vermitteln einen ersten Eindruck davon, wie diese Vorgänger möglicherweise ausgesehen haben könnten.
Von der Grabung und Bauforschung zum 3D-Modell
Anhand archäologischer Grabungsergebnisse und restauratorischer Befunduntersuchungen kann versucht werden, die wechselvolle Geschichte der Vituskirche nachzuvollziehen. Dazu ist es notwendig den originalen Baubestand, also was in situ noch erhalten ist, zu analysieren und auszuwerten. Diese Ergebnisse bilden neben den archivalischen Schrift- und Bildquellen wie etwa historische Karten und alte Ansichten, eine wichtige Basis für virtuelle Rekonstruktionen. Mittels moderner Computertechnik werden die Forschungserkenntnisse technisch umgesetzt und zu einem „neuen alten Bild“ zusammengefügt. Wichtig ist es, dabei zu betonen, dass eine Rekonstruktion niemals die reale Wirklichkeit abbilden kann, sondern lediglich eine Annäherung ist wie die verlorengegangene Bausubstanz möglicherweise ausgesehen haben könnte.
Im Rahmen einer Grabung (1982/83) des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege (BLfD) sowie mit den anschließenden Restaurierungsmaßnahmen konnten neue Erkenntnisse zur Geschichte des bedeutenden Baudenkmals gewonnen werden. Damals wurde bereits erkannt, dass der heutige Bau der Kirche demzufolge drei Vorgängerbauten aus Stein hatte. Eine aktuell stattgefundene Neubewertung (2020, Burglandschaft) der verschiedenen archivalischen Schrift- und Bildquellen zur Denkmalentwicklung, Baugeschichte und den Restaurierungsmaßnahmen, konnte nicht nur künftige Forschungsansätze aufzeigen, sondern auch Ergebnisse liefern, die für die virtuelle Rekonstruktion des möglichen Aussehens der Vorgängerbauten verwertbar waren. Zur Erforschung der älteren drei Vorgängerbauten von St. Vitus und der damit verbundenen bauhistorischen Entwicklung konnten diese Quellen zur Gewinnung weiterer Kenntnisse dieser bedeutenden Pfarrkirche nun ergänzend herangezogen und ausgewertet werden. Einige davon sind auf der Homepage der Burglandschaft eingepflegt.
Quellenforschung, Originalbestand und Rekonstruktion
Insbesondere die Grabungsergebnisse der 1980er-Jahre und die Erkenntnisse aus den Restaurierungsmaßnahmen konnten für die Rekonstruktionen herangezogen werden, um etwa die unter dem Bodenniveau erhaltenen und erforschten Mauerverläufe und -breiten zielführend zu verwerten. Für den Aufriss und das Aussehen des Kirchengebäudes, wurden zunächst die erhaltenen historischen Bildquellen ausgewertet. Sailauf ist anscheinend erstmalig im 16. Jahrhundert auf historischen Karten mit einer Abbildung des Kirchenbaus von St. Vitus dargestellt (Karte des Spessarts, 1562-1594 von Paul Pfinzing; „Maskopp-Karte“, um 1575 von Gottfried Maskopp). Ältere Planzeichnungen oder Karten mit den Darstellungen der Vituskirche beziehungsweise mit verwertbaren Ansichten von Sailauf sind nach momentanem Kenntnisstand vermutlich nicht erhalten geblieben.
Die nächste bedeutende kartographische Bildquelle stammt aus dem 19. Jahrhundert (Katasterplan um 1850, Bayerische Vermessungsverwaltung). Diese historische Planzeichnung stellt den Kirchenbau (Bau 4) inmitten des Friedhofs dar. Die umfassende Friedhofsmauer – sogar Mauerstützen sind eingezeichnet – sowie umliegende Gebäude und die Wegeführung von der Ortsmitte Sailaufs auf den erhöhten Kirchberg hinauf, wie auch Verbindungswege nach Norden, sind im Lageplan enthalten. Da keine ältere Planquelle bekannt ist, die darüber Auskunft gibt, bildet dieser Katasterplan die Grundlage für die Umgebung der Pfarrkirche, also die Wege und Mauern in den virtuellen Rekonstruktionen von St. Vitus. Bemerkenswerterweise sind eine ähnliche Wegeführung sowie die umfassende Friedhofsmauer annähernd in gleicher Form bis heute auf dem Kirchberg erhalten geblieben. Bei der Friedhofsmauer ist die abgewinkelte Mauerkrone auffällig, deren oberer Abschlussstein dreieckig, wie nach „Art eines Satteldaches“ erscheint.
Ergänzend zu den Planzeichnungen wurden historische Fotografien und Ansichten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts als Bildquellen herangezogen und die Erkenntnisse mit archivalischen Schriftquellen (hier vornehmlich publizierte Quellenbelege) abgeglichen und ergänzt. Da jedoch trotz umfassender Recherche vielzählige Fragen zum einstigen Aussehen der drei Vorgängerkirchen offengeblieben sind, wurden zusätzlich kunsthistorische Vergleiche herangezogen. In der Zeit der Romanik (Bau 1 und Bau 2) sind auch in Süddeutschland dörfliche Pfarrkirchen mit Chor und Glockenturm in einer traditionell einschiffigen Form häufig anzutreffen. Interessanterweise hat sich diese Langhausform mit quadratischem Chor, beziehungsweise seit dem Barockumbau mit einem polygonalen Chor, über die Jahrhunderte bis in unsere heutige Zeit überdauert. Eine Ausnahme davon bildet die dritte Umbauphase 1574/79, deren angebaute Mauerteile unverkennbar einen Bruch mit dieser längsrechteckigen Bauform darstellen. (Bau 3 tendiert an den Seiten zum Quadrat, eine spätere Verschmälerung des Baukörpers im Zuge der spätbarocken Umbaumaßnahmen des Langhauses scheint eher recht unwahrscheinlich, was an dieser Stelle aufgrund fehlender Forschungserkenntnisse jedoch nicht endgültig geklärt werden kann).
Die in den Rekonstruktionen verwendeten bzw. dargestellten Materialien konnten aufgrund kunsthistorischer Vorbilder unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten (wie etwa der rote Buntsandstein usw.) ergänzt werden. Weitere baulichen Details und stilistische Elemente wurden anhand des erhaltenen Originalbestands sowie aufgrund von Grabungsberichten, restauratorischer Befunduntersuchungen samt Fotodokumentationen und den sonstigen Unterlagen der Sanierungen geklärt. Nicht bekannte Details, Merkmale und Ausstattungselemente wurden in der virtuellen Rekonstruktion weggelassen.
Zeugnisse des Mittelalters – originale Bausubstanz
Die wohl interessantesten mittelalterlichen Steinzeugnisse befinden sich am romanischen Glockenturm. Diese sind zum Teil sichtbar, zum Teil von neuzeitlichem Putz überdeckt oder schlichtweg bislang wenig wahrgenommen worden. Einige verzierte romanische Eckquader aus rotem Buntsandstein sind heute noch an den Innenwänden des Turms im unteren Geschoss sichtbar. Weitere dieser verzierten Quadersteine sind am Außenbau in recht großer Zahl im Eckverband als Zierquader verbaut worden (heute jedoch unter Putz verborgen). Fotografien die während der Sanierungsmaßnahmen in den 1980er-Jahren angefertigt wurden, dokumentieren diese originale Bausubstanz. Die wertvollen Bildquellen haben sich zum Teil im Archiv des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Schloss Seehof, sowie im Archiv des damals bauleitenden Architekten Kaupp, Aschaffenburg, sowie im Privatarchiv von Fred Maier, Förderverein Sailauf für Heimat und Geschichte e. V., erhalten. Die Fotodokumentation belegt für die Eckquadersteine unterschiedlichste Oberflächengestaltungen: Ritzungen der Eckquadersteine in Form von Rauten, kreisförmigen Ritzungen, halbrunde Schraffuren, Linien und Streifen, überkreuzte Ritzungen, u. v. a. m. Diese Verzierungen der Eckquaderung könnte stilistisch als Rückgriff auf die Antike verstanden werden. In der Literatur werden sie oftmals als „Fischgrätmuster“ bezeichnet.
In der Forschung ist bislang unklar – was künftig noch geklärt werden könnte – an welcher Stelle die verzierten Quadersteine ursprünglich verbaut waren und in welcher der beiden romanischen Steinbauphasen (Bau 1 oder Bau 2) diese angefertigt wurden. Aufgrund der umfassenden Umbaumaßnahmen der zweiten Bauphase könnte es sein, dass bereits vorhandene Steine des ersten Steinbaus für die Kirchenerweiterung wiederverwendet und die Steine somit an anderer Stelle eingebaut wurden. Möglicherweise stammen diese Sandsteine also bereits aus dem 11. Jahrhundert und wurden für den zweiten Steinbau im 12. / 13. Jahrhundert schlichtweg aufgrund des wertvollen Materials wiederverwendet und wieder mit eingebaut (transloziert). Die heterogene Anordnung der Zierquader im Turminnern legt zumindest die Vermutung nahe, dass in einer späteren Bauphase romanische Eckquader in anderer Anordnung verbaut wurden. Dieses würde bedeuten, dass die Steine ursprünglich zum Teil an anderer Stelle des Baus Verwendung fanden als heute.
Eine weitere mittelalterliche Bauzier hat sich am Turm-Außenbau erhalten. In der abgeschrägten hervortretenden Sockelzone des Turms bilden, mit einem (wohl romanischen) rautenartigen zick-zack-Linien-Motiv verzierte Steine den unteren Abschluss. Ob diese Sockelzone bereits in ihrer Erbauungszeit dort angebracht wurde oder ob sich diese verzierten Steine möglicherweise im Mittelalter an anderer Stelle des Kirchenbaus befanden, könnte unter anderem eine grundlegende Bestandsuntersuchung klären. (Denn, etwas verwunderlich ist, dass die abgeschrägte Zierseite der Steine ungeschützt nach oben gerichtet eingebaut ist. Teilweise sind vergleichbare Zierquader eher als umlaufendes Zickzackfries an (Turm-) Wänden in den oberen Geschossen als Bauzier anzutreffen (mit Zierleiste nach unten blickend), was momentan jedoch nur vermutet werden kann).
Kirche St. Vitus im 11. Jahrhundert
Kirche St. Vitus, undatiert, wohl romanisch
Kirche St. Vitus, um 1576 (Simulation angesetzter Mauerteile)
Hier finden Sie unseren virtuellen Rundgang
Bearbeitung: pictown -gmbH – watchmycity
Schulprojekt: Die eigene Burg Alzenau aus Holz
In unmittelbarer Nähe zur Burg liegt die Hahnenkamm-Schule zur Lernförderung. Dort finden regelmäßig Kurse statt, in welchen die Schüler*innen unter der Anleitung eines Zimmerermeisters Objekte aus Holz selbst anfertigen. So entstanden zum Beispiel in den letzten Jahren tolle selbstgemachte Weihnachtsdekorationen. Durch eine identitätsstiftende Aktion möchten wir hier exemplarisch die Kinder und Jugendlichen insbesondere für die „eigene Burganlage vor der Haustür“ und somit für die Regionalgeschichte sensibilisieren. Unter dem Motto „Wir bauen uns unsere eigene Burg“ soll im Rahmen eines solchen Holzwerkkurses die Schulgruppe die Burg Alzenau unter Anleitung nachbauen. Teil unseres LandKULTUR-Konzeptes ist es, neben einer beispielhaften Umsetzung eines solchen Projektes, auch die Visualisierung eines vereinfachten Bauplans einer Burg, der sich insbesondere zum eigenständigen Werken gut eignen soll.
Auf Grund der Corona-Pandemie findet die Umsetzung dieses Schulprojektes voraussichtlich während des Schuljahres 2020/2021 statt.














