Architektur in stetem Wandel
Seit 1982 wurden vor allem aufgrund von Befunduntersuchungen, Freilegungen im Zuge von Sanierungsmaßnahmen sowie archivalischer Quellenforschung neue Erkenntnisse zur Baugeschichte des Lohrer Schlosses gewonnen, auf die zum Teil Informationstafeln beim Museumsrundgang hinweisen. Eine detaillierte Untersuchung steht allerdings noch aus. Im sogenannten Rittersaal fallen die drei romanischen Säulen im Hirsauer Stil des 12. Jahrhunderts mit Würfelkapitellen auf. Ein gotisches Maßwerkfenster im 2. Obergeschoss gehörte zum Festsaal der Grafen von Rieneck. Auch ein Wandbild im 3. Obergeschoss datiert aus der Zeit der Grafen von Rieneck: Es zeigt ein adeliges Paar beim Ausritt zur Falkenjagd. Die Szene ist als Minne-Allegorie zu verstehen und entstand im Zusammenhang mit der Hochzeit Philipps II. dem Jüngeren von Rieneck (um 1427–1497) mit Margarethe von Eppstein-Königstein (um 1445–1463). Eine Wappentafel aus Buntsandstein dokumentiert diese Eheschließung von 1460. Weitere Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert im 2. Obergeschoss zeigen Fragmente von sakralen Motiven sowie von grotesken Fabelwesen.
Zahlreiche Wappen an Fenstern, Kaminen und Portalen ebenso wie Stuckdecken stammen aus Kurmainzer Zeit, auch der Prunkofen und die Flocktapete im Erthalzimmer, benannt nach Franz Ludwig von Erthal, Fürstbischof von Würzburg und Bamberg, der hier am 16. September 1730 geboren wurde. Seine Schwester Maria Sophia Margaretha Catharina, Freifräulein von Erthal, soll der Lohrer Fabulologie zufolge, das Vorbild für Schneewittchen gewesen sein.
