Geschichte und Baubefund

Der Bau der Bacheburg durch das Rittergeschlecht Bache lässt sich sehr genau auf die ersten Jahre des 15. Jahrhunderts datieren, denn er führte zu einem Streit mit dem Grafen Johann I. von Wertheim. Dessen Schlichtung verdanken wir eine Urkunde aus dem Jahr 1404 mit der ersten schriftlichen Nennung der Bacheburg. Allerdings wird sie darin nicht Bacheburg genannt, sondern als „Huß“ (Haus) bezeichnet, welches von den Bache „tzu Nuwenstad“ errichtet worden war – damit ist der heutige Neustädter Hof zwischen Obernburg-Eisenbach und Mömlingen gemeint. Dass die kleine Burg damals überhaupt einen eigenen Namen trug, ist unwahrscheinlich. Als Ergebnis dieses Streits tragen die Brüder Jorg, Henne und Syfried Bache die Hälfte ihrer Burg dem Grafen als Lehen auf. Johann I. von Wertheim wurde damit Eigentümer von 50% der Bacheburg, gab den Bache-Brüdern diesen Anteil gleichzeitig aber wieder als erbliches Lehen zurück, sodass sich an den tatsächlichen Besitzverhältnissen vor Ort nichts änderte. Als Lehnsherr sicherte er sich dadurch jedoch ein gewisses Mitspracherecht und die Lehnstreue der Bache als seiner Vasallen. Aus der entsprechenden Urkunde ist zu entnehmen, dass die Bacheburg zuvor vom Sohn Johanns von Wertheim eingenommen und mehr oder weniger stark zerstört („gebrochen“) worden war. Erhebliche Teile müssen dabei allerdings unbeschädigt geblieben sein, denn in demselben Dokument erhält Jorg Bache die Erlaubnis, das Haus seiner Frau als zukünftigen Witwensitz zu überlassen. Außerdem werden weitere Arbeiten an dem Wehrbau unter der Auflage, dass keine weitere Vergrößerung und/oder Befestigung erfolgt, genehmigt.

Kurz darauf, im Jahre 1405, geben die Bache-Brüder die andere Hälfte ihrer Burg dem Mainzer Erzstift zu Lehen auf. Diese Urkunde verrät unter anderem, dass die Anlage offenbar noch nicht ganz fertiggestellt war, als der junge Wertheimer Graf Johann II. im Jahr zuvor gewaltsam interveniert hatte. Den Bache wird gestattet – wieder unter der Auflage, keine weiteren Befestigungen vorzunehmen – eine zugehörige Mauer fertigzustellen und mit einem hölzernen Wehrgang zu versehen. Mit dieser Urkunde ist der Streit um den Bau der Bacheburg beigelegt und sie verschwindet für mehrere Jahrzehnte wieder im Dunkel der Geschichte. Die Bache-Brüder scheinen sich bei ihrer Fertigstellung also an die Auflagen gehalten zu haben.

Dank der Urkunden von 1404 und 1405 lässt sich eine recht klare Vorstellung von der Bacheburg gewinnen: Die Bezeichnung „Haus“ weist auf den im Spätmittelalter sehr verbreiteten Bautypus des Festen Hauses hin, also auf einen kompakten Wehrbau, der im Wesentlichen aus einem einzigen größeren Gebäude bestand. Entsprechend zahlreicher Vergleichsabbildungen sowie einiger im Original erhaltener Gebäude dürfte dieses Haus über einen hohen steinernen Sockel mit mehrstöckigem Fachwerkaufbau verfügt haben. Hierzu passen auch die erhaltenen Mauerreste, die sich im Grundriss zu einem Rechteck von 13,70 m auf 14,50 m Größe ergänzen lassen. Außerdem gab es eine Art Ringmauer mit hölzernem Wehrgang. Diese wird sich vermutlich nur auf einer Seite des Gebäudes befunden und einen engen, schlauchartigen Hof umschlossen haben. Die Grundfläche von knapp 200 m² wäre für ein einzelnes Gebäude ohne Hof erstaunlich groß. Dass der Bau auf einer künstlichen Insel stand und nur über eine (hölzerne) Brücke erreichbar war, ist typisch für solche Niederungsburgen. Vom einstigen feuchten Graben zeugen heute nur noch einige Bodensenken, bei der bayerischen Uraufnahme konnte er 1844 jedoch noch komplett kartiert werden.

Erst im Jahre 1440 tritt die Bacheburg wieder ins Licht der historischen Überlieferung, als sie von Reitern des Mainzer Erzbischofs erobert und niedergebrannt wird. Der Grund: Hans und Madern Bache, Jorgs Söhne, hatten von der Bacheburg aus Reisende, die unter dem Geleitschutz des Erzbischofs standen, angegriffen und ausgeraubt. Die Brüder wurden bei der mainzischen Strafaktion gefangen genommen und nur dank der Vermittlung anderer Niederadeliger wieder freigelassen. Dafür mussten sie auf Schadenersatzforderungen gegen Mainz verzichten. Hans Bache, wegen anderer Taten bereits vorbelastet, wurde darüber hinaus mit Hausarrest belegt. Ihre kleine Burg bauen die Bache-Brüder danach nicht wieder auf. Im Gegenteil: Sie verlassen sie. 1441 verkaufen sie umfangreichen Besitz am Neustädter Hof und in den Nachbardörfern. Hans wird daraufhin wertheimischer Burgmann auf Burg Breuberg, Madern einige Jahre später pfälzischer Burgmann auf Burg Otzberg und zu Habitzheim.

Die niedergebrannte Burg wurde ab 1441 sich selbst überlassen. Ihre steinernen Bauteile waren zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich noch weitgehend unbeschädigt. Es ist aber davon auszugehen, dass sie schon recht bald als Steinbruch diente. Die hochwertigen Eckquader und profilierten Tür- bzw. Fensterlaibungen dürften schnell neue Verwendung gefunden haben. Nichts desto trotz muss ein erheblicher Teil der Bausubstanz überdauert haben. Um 1700 nutzte der „Belljouseph“ (Bettel-Josef), ein berüchtigter Räuber des Odenwaldes, die Ruine als Unterschlupf und 1750 wurde hier sogar eine ganze Diebesbande aufgegriffen. Um Baumaterial, insbesondere die letzten Eckquader, zu gewinnen, wurden 1863 schließlich große Teile abgerissen. Dieser Maßnahme fiel auch die benachbarte alte Kirche beim Neustädter Hof zum Opfer.

 

Die Ritterfamilie Bache von „Nuwenstadt“

Anhand der Geschichte der Bacheburg bekommt man den Eindruck, bei den Bache handelt es sich um sehr streitbare Zeitgenossen, ja Unruhestifter: Zuerst bauen sie ohne Genehmigung des Landesherrn eine Befestigung und eine Generation später verüben sie von dieser auch noch Raubüberfälle. In der Tat passen sie damit sehr gut in das Schema des „Raubritters“. Auch andere Vorfälle sprechen nicht gerade für die niederadelige Familie. Doch in ihnen ausschließlich rauflustige Kriminelle zu sehen, wird ihnen nicht gerecht. Denn sie waren ein durch Besitzungen und Eheverbindungen in der Region etabliertes und gut vernetztes Rittergeschlecht. Diese Seite kommt in zahlreichen Kauf- und Verkaufsurkunden zur Geltung.

Aufgrund der im Vergleich zu vielen ihrer Standesgenossen sehr robusten Konfliktmethoden verursachten sie jedoch regelmäßig Schriftstücke, wie Friedensverträge und Vergleiche, die sie in kein allzu gutes Licht stellen. Da sie in diesen Streitigkeiten in der Regel unterlagen, blieb ihnen meist nichts anderes übrig, als die Verantwortung für die zugrunde liegenden Rechtsbrüche zu übernehmen. Die eigentlichen Streitursachen und ihre Sicht der Dinge sind in diesen Dokumenten häufig gar nicht mehr von Interesse. Dennoch lässt sich bei kritischer Lesart ein recht plastisches Bild der Niederadelsfamilie Bache vor den gesellschaftlichen Entwicklungen ihrer Zeit zeichnen. Es zeigt, wie sie sich an die althergebrachte aber zunehmend in Bedrängnis geratende Unabhängigkeit des Ritteradels klammern. Bei ihren Versuchen, sich gegen die immer stärker Einfluss nehmenden Landesherrschaften der großen Adelshäuser und geistlichen Institutionen zu wehren, greifen sie, wie viele ihrer Standesgenossen auch, regelmäßig auf die Fehde zurück. Bei diesem traditionellen Mittel der adeligen Selbstjustiz war es gang und gäbe, den Kontrahenten durch Entführung und Lösegelderpressung seiner Angehörigen und Gefolgsleute oder durch Raub, Beschädigung und Zerstörung seiner Besitztümer zu schädigen. Angesichts des im Spätmittelalter unter Federführung der Landesherrschaften entstehenden Gerichtswesens brachte diese nicht mehr zeitgemäße Variante der Konfliktlösung ihre Anwender häufig in grundsätzliche Opposition zu den Landesherren. Als „Raubritter“ wurden sie jedoch erst von der Geschichtsschreibung vor allem des 19. Jahrhunderts gebrandmarkt – häufig zurecht, mitunter jedoch ungerechtfertigt und pauschal.

Als die Bache im 14. Jahrhundert ins Licht der historischen Überlieferung treten, sind sie in der Region bereits begütert. Die Wurzeln der Familie sind jedoch unklar. 1347 gehört ihnen ein Wingert in Großwallstatt. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts ist ein Heinz Bache als Besitzer eines Gutes in Raibach (heute Rai-Breitenbach) genannt. 1397 einigen sich die Brüder Jorg, Henne und Seyfried Bache in einem Vergleich mit Schenk Johann von Erbach bezüglich der Wiedergutmachung eines ihnen und ihrem Vater zugefügten Schadens. Vermutlich waren sie – oder eher ihr Besitz – im Vorjahr Opfer einer gemeinsamen Strafaktion der Schenken von Erbach und der Pfalzgrafen gegen von der Burg Breuberg ausgehende räuberische Überfälle geworden. Vielleicht waren darunter auch ein breubergisches Lehen in Mühlhausen bei Rai-Breitenbach und ein Hof in Eisenbach. An ersterem hatte ein Fritz Bache Anteile, es war bei seiner urkundlichen Ersterwähnung 1414 aber schon seit langem verfallen. Bei dem Hof in Eisenbach ist es ähnlich: Er ist erst 1415 erwähnt, scheint zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr existiert zu haben und gehörte einst einem Hermann Bache. Jedenfalls ist dadurch Besitz in Eisenbach nachgewiesen. 1402 trägt Jorg Bache umfangreichen Besitz dem Erzstift Mainz zu Lehen auf. Es handelt sich um drei Güter in Neustadt (Neustädter Hof), das „Rußen Gut“ in Mömlingen und vier Huben in Hausen hinter der Sonne, einem vermutlich schon im frühen 16. Jahrhundert wüst gefallenen Dorf zwischen Mömlingen und Hainstadt. Zumindest die Äcker in Hausen gehörten zum Bamberger Fronhof und wurden dadurch ihrem rechtmäßigen Lehnsherrn, dem Bamberger Domstift, entfremdet. Dieser Akt, ob ganz oder nur teilweise illegal, bringt deutlich die Annäherung der Bache an Mainz zum Ausdruck. Es ist zu vermuten, dass sie sich von Mainz als Lehnsherr eine bessere Interessenvertretung und wirksameren Schutz als von Bamberg erhofften. Außerdem beginnen sie spätestens im Jahr darauf, 1403, mit dem Bau ihrer Burg beim Neustädter Hof. Ihr in dieser Zeit gesteigertes Schutzbedürfnis nimmt darin sogar bauliche Gestalt an.

Spätestens mit dem Vergleich von 1404 werden die Bache-Brüder dann auch Wertheimer Lehnsnehmer von einer Hälfte der Bacheburg, positionieren sich 1405 mit der Auftragung der anderen Hälfte an Mainz aber politisch zwischen beiden „Großmächten“, die im unteren Mümlingtal um Herrschaftsrechte konkurrierten. Das Ziel dahinter ist klar: Indem beide an der Burg beteiligt werden, kann diese nicht mehr in einen direkten Konflikt zwischen Wertheim und Mainz hereingezogen werden. Das wird sogar durch entsprechende Nebenbestimmungen in den Urkunden eindeutig geregelt, offenbar hielt man diesen Fall in näherer Zukunft also durchaus für möglich. Die Wertheimer scheinen aus dem Streich gegen die Bacheburg und den daraus resultierenden Lehensverträgen dennoch den größeren Vorteil zu ziehen: Für den Fall einer Konfrontation mit Mainz dürften sie das Erzstift gleich mehrerer Gefolgsmänner beraubt haben, denn die Bache-Brüder hätten sich in einem Konflik zwischen Wertheim und Mainz neutral zu verhalten. Klar wird jedenfalls, dass das kleine Rittergeschlecht hier keine eigenständige Politik betreiben kann, sondern sich teilweise freiwillig, teilweise unter Druck in Abhängigkeiten begibt, um nicht zwischen den „Big Playern“ zerrieben zu werden.

1409 tauchen die Brüder Seitz, Henne und Helfrich Bache im Fehdebuch Rothenburgs ob der Tauber unter den Feinden der Stadt auf. Sie werden darin als Bewohner des „obersten Huslein“ in „Newenstat“ bezeichnet. Trotz der großen Entfernung zur Reichsstadt ist damit klar, dass die Bache mit ihr auf Kriegsfuß standen, nur Jorg scheint sich aus der Sache herausgehalten zu haben. Mit dem „obersten Huslein“ dürfte jedoch nicht die Bacheburg gemeint sein, sondern eine weitere Burganlage in nächster Nähe zum Neustädter Hof, die bis ins 19. Jahrhundert unter dem Namen „Schneirersbuckel“ bekannt war. Vermutlich handelte es sich dabei um eine ältere, hölzerne Turmhügelburg, die eine gewisse Zeit parallel zur – unteren – Bacheburg bestand, aber bereits vor deren Niederbrennung 1440 zerstört oder aufgegeben worden sein dürfte. Die Reste ihres zentralen Erdhügels sind erst 1881 zusammen mit einem sie umgebenden Wall eingeebnet worden.

Zwei Rekonstruktionen von Turmhügelburgen des 13./14. Jahrhunderts:

In den folgenden Jahren nähern sich die Bache den Grafen von Wertheim-Breuberg sehr stark an. 1415 bestätigt Jorg den Empfang seiner Lehen von Graf Johann I. von Wertheim. Um 1420 haben sie den Röderzins, also die Abgaben für gerodete Flächen, eines Höfchens zu „Nuwenstat“ inne. Dieser war ihnen von den Wertheim-Breubergern überlassen worden. 1422 besiegeln Jorg und Seitz Bache das Mömlinger Weistum, mit dem breubergische Rechte in Mömlingen dokumentiert werden. Gleichzeitig kühlt das Verhältnis zu Mainz deutlich ab, schlägt sogar in offene Feindschaft um, denn 1426 liegt Jorg Bache aus unbekanntem Grund in Fehde mit dem Erzbischof. Aus diesem Grund bleibt er der Verhandlung vor dem kurmainzischen Landgericht in Großostheim über das wegen rückständiger Gült zwischen ihm und dem Stift Aschaffenburg strittige Pfaffstangengut in Hausen hinter der Sonne fern. Das Gut wird in der Folge dem Stift zugesprochen, was nicht zur Entspannung der Situation beigetragen haben dürfte. Dass die Bache nicht nur im Neustädter Hof und in ihrer Bacheburg sitzen, zeigt die Nennung eines Johannes Bache „Armigeri de Mumelingen“ 1433. Die Bezeichnung Armigeri (Edelknecht) weist darauf hin, dass er in – wahrscheinlich Breuberger – Diensten steht.

1434 wird eine neue Eskalationsstufe erreicht: Hans Bache, Jorgs Sohn, entführt, in Fehde mit dem Stift Aschaffenburg und damit dem Erzbistum Mainz liegend, den Pfarrer von Wenigumstadt. Seinen Vater Jorg wird wegen dieser Fehde sogar exkommuniziert. Als Grund für den Kirchenbann Jorgs sind in der betreffenden Urkunde Besitzstreitigkeiten genannt. Ob das immer noch auf das Pfaffstangengut in Hausen zu beziehen ist, etwa weil Jorg den Urteilsspruch von 1426 ignoriert haben könnte, ist nicht bekannt. So oder so bleibt die Exkommunikation ein unverhältnismäßig hartes Druckmittel und stellt auch für das Aschaffenburger Stift einen bemerkenswerten Vorgang dar. Noch dazu wird sie vom Stiftspropst ausgesprochen und nicht, wie eigentlich üblich, vom Erzbischof. Unter bestimmten Bedingungen wurde Jorg Rehabilitation in Aussicht gestellt. Da jedoch keine Quellen bekannt sind, die nahelegen, dass er rehabilitiert wurde, ist davon auszugehen, dass er wenig später, noch vor 1440, im Kirchenbann verstorben ist. Als Hinweis darauf kann die Auffindung zweier auf leeren Grüften liegenden Grabplatten 1863 in der Kirche des Neustädter Hofs gelten. Es handelte sich um sehr schlichte Sandsteinepitaphien, die lediglich ein Wappen trugen. Die einzige erhaltene Grabplatte lässt das Bache-Wappen noch erahnen. Vielleicht waren dies die für Jorg Bache und seiner Frau Agnes, geb. von Erlebach, vorgesehenen Epitaphien. Sie waren wohl bereits vorbereitet, wurden wegen des bestehenden Kirchenausschlusses Jorgs jedoch nie fertiggestellt.

Die weitere Geschichte ist bekannt: 1440 wird die Bacheburg infolge der von hier ausgegangenen Überfälle auf unter Mainzer Geleitschutz stehende Reisende niedergebrannt. Ein übliches Vorgehen gegen solche „Raubhäuser“. Nach ihrer Freilassung aus der Mainzer Gefangenschaft verkaufen Hans und Madern Bache ihren Grund und die Zehntrechte am Neustädter Hof samt des Patronatsrechts der dortigen Kirche sowie ihre Hälfte an Hausen hinter der Sonne. Mit der Veräußerung eines großen Teils ihrer Herrschaft begraben sie ihre und ihres Vaters Unabhängigkeitsbestrebungen. Hans erwirbt ein Haus in Neustatt unter dem Breuberg als Lehen des Wertheimer Grafen Johann II. und dient diesem als Burgmann auf Burg Breuberg. Die Bache können offenbar auf sehr gute Beziehungen zu den Wertheimern zurückgreifen, denn wenige Jahre später siedeln sich mit Elgen und Grede Bache weitere Verwandte in Neustatt unterm Breuberg an. Madern schlägt einen anderen Weg ein: Er wird pfälzischer Burgmann auf Burg Otzberg und zu Habitzheim.

 

Der Wappenstein von der Bacheburg

Der Wappenstein der Bacheburg befindet sich heute auf der Rückseite des Obernburger Rathauses.Ein besonderes Artefakt der Bacheburg findet sich heute an der Rückseite des Obernburger Rathauses: der Vierwappenstein des Jorg Bache und seiner Frau Agnes, geb. von Erlebach. Wolfgang Hartmann, der sich intensiv mit der Geschichte des Neustädter Hofs und seiner zwei Burgen beschäftigt hat, konnte seine Herkunft bestimmen. Erst dadurch war es möglich, die Ruine am Neustädter Hof zweifelsfrei als die bis dato nur aus den Schriftquellen bekannte Bacheburg zu identifizieren. Der Stein war 1863 beim Abbruch großer Teile der Ruine aus den Trümmern gerettet worden und kam auf Umwegen an seinen jetzigen Platz.

Ursprünglich war die rund 170 cm breite und 80 cm hohe Sandsteinplatte höchstwahrscheinlich über dem Tor der Bacheburg angebracht. Sie gibt Auskunft über die verwandtschaftlichen Verflechtungen der niederadeligen Familien in der Region. Denn auf dem Stein sind die Wappen der Eltern von Jorg Bache und seiner Frau Agnes dargestellt:

  • Ganz rechts findet sich das Wappen von Jorgs Vater, dessen Vorname nicht bekannt ist: ein vertikal geteilter Schild mit einem steigenden Löwen in der oberen Hälfte und zwei Balken in der unteren – das Bache-Wappen.
  • Links daneben das Wappen von Jorgs Mutter mit drei Lilien. Für sie kommen zwei wappengleiche Niederadelsfamilien infrage: die von Sulzbach (Taunus) oder – was räumlich wesentlich näher liegt – die Raups von Eisenbach.
  • Weiter links folgen Agnes Vater, Hans von Erlebach, mit einer Gans als Wappentier und Helmzier
  • sowie ganz links ihre Mutter, Anna Schelris von Wasserlos, mit einem Sparren im Wappen.

 

Der Neustädter Hof

Der rund 150 Meter von der Bacheburg-Ruine entfernt gelegene Neustädter Hof ist aus einer mehrere Bauernhöfe samt Wirtschaftsflächen (Huben) umfassenden Siedlung hervorgegangen, die bereits für das Jahr 1113 urkundlich zu fassen ist. Damals bestätigte Kaiser Heinrich V. der Propstei Steinbach bei Michelstadt, einem Tochterkloster der Abtei Lorsch, den Besitz von einer Hube in „Nuenstat“ (Neustädter Hof) und zweien in „Miniminga“ (Mömlingen). Der Eindruck, den das heutige Einzelgehöft erweckt, trügt also. Vielleicht deswegen ist dieses Dorf Neustadt selbst von der Geschichtsschreibung bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts mit der deutlich jüngeren wertheimischen Stadtgründung Neustatt unterm Breuberg verwechselt worden.

Neustadt besaß nicht nur eine eigene Kirche, sondern dürfte sogar eine Urpfarrei im unteren Mümlingtal sein. Die Bacheburg und vor ihr die Burg auf dem „Schneirersbuckel“ wurden also an keinem unbedeutenden Ort errichtet. Ein Teil des Dorfes war ebenso wie das benachbarte, schon im frühen 16. Jahrhundert wüst gefallene Dorf Hausen hinter der Sonne Eigentum des Bamberger Domstifts. Laut einem Bamberger Urbar aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gehörten zu diesem Bamberger Fernbesitz noch weitere Güter und Rechte am Untermain und im Odenwald. Sie dürften bereits im frühen 11. Jahrhundert unter Kaiser Heinrich II. an das von ihm gegründete Bistum Bamberg geschenkt worden sein. Die Bamberger wie auch die übrigen, unter anderem in Wertheim-Breuberger Eigentum befindlichen Teile Neustadts wechselten als Lehen regelmäßig ihre Besitzer, darunter die Grafen von Henneberg und die Herren von Erlebach. Auch wenn sich die Bache nach Neustadt benennen, sind auch sie nur eine kurze, von 1402 bis 1459 nachweisbare Episode in der komplexen Besitzgeschichte des Neustädter Hofs.

War Neustadt in Schriftquellen immer als eine aus mehreren Höfen/Gütern bestehende Siedlung zu verstehen, wird es erstmals als einzelnes Hofgut erwähnt, als 1485 Centgraf Heinrich Schad v. Wallstatt, im Besitz eines Hofes „genannt Newenstat“, eine Entschädigung für Schäden durch einen Frankfurter Dienstknecht zugesprochen wird. Unter Jakob von Praunheim, der 1548 die Hälfte des Hofes „zu Nuwenstat“ erwirbt, ist mit umfangreichen Baumaßnahmen zu rechnen. Die Befestigung des Hofs mit einer Ringmauer und Schalentürmen sowie der Bau eines mehrstöckigen, geheizten Hauptgebäudes dürften ihm zuzuschreiben sein. Die ältesten  schematischen Darstellungen auf Karten aus dem frühen 18. Jahrhundert zeigen den Neustädter Hof – noch dazu als „Schloß“ bezeichnet – in diesem Ausbauzustand. Und auch der Grundriss im Urkataster von 1844 lässt das in sich geschlossene Hofensemble noch gut erkennen. Ebenfalls auf Jakob von Praunheim und seine guten Beziehungen zum Mainzer Erzbischof Sebastian von Heusenstamm zurückzuführen ist die Herauslösung des mainzischen Teils von Neustädter Hof und Bacheburg aus der Lehensbindung an das Erzstift. In einem Mainzer Güterverzeichnis der Cent Bachgau von 1555 sind keine Lehensrechte am Neustädter Hof mehr vermerkt. Die Wertheim-Breuberger Hälfte verblieb dagegen bis 1881 in Lehensabhängigkeit und auch die Bamberger Anteile blieben bis ins 19. Jahrhundert als Lehen bestehen.

Weiterführende Literatur

Wolfram Becher: Neustadt unterm Breuberg und Neustatt bei Mömlingen. Probleme aus der Geschichte des Neustädter Hofes. In: Der Odenwald – Zeitschrift des Breuberg-Bundes 3, 1956, Heft 1, S. 8-13.
Wolfram Becher: Der Wappenstein vom Neustädter Hof. In: Der Odenwald – Zeitschrift des Breuberg-Bundes 5, 1958, Heft 3, S. 67-73.
Peter Fleck: Die Niederadelsfamilie von Erlenbach. Versuch einer Genealogie. Geringfügig überarbeitet und ergänzt von Theodor Stolzenberg. In: Breuberg-Bund Quellen, Forschungen und Erörterungen 1, Breuberg-Neustatt 2017.
Wolfgang Hartmann: Vom Kloster Steinbach zu den Freiherren von Schneidt. In: Der Odenwald – Zeitschrift des Breuberg-Bundes 32, 1985, Heft 3, S. 75-91.
Wolfgang Hartmann:
Auf den Spuren des Bamberger Fernbesitzes am bayerischen Untermain und im Odenwald. In: Beiträge zur Erforschung des Odenwaldes und seiner Randlandschaften 4, Breuberg-Neustadt 1986, S. 119-150.
Wolfgang Hartmann: Verschwundene Kleinburgen im unteren Mümlingtal. In: Spessart – Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart 1986, Heft 11, S. 2-14.
Wolfgang Hartmann: Exkommunizierter Raubritter, leere Grabkammern, eine alte Steinplatte auf dem Kirchplatz von Mömlingen – oder: Ein paar Einzelheiten über den Untergang einer Kleinadelsfamilie. In: Spessart – Monatszeitschrift für die Kulturlandschaft Spessart 1991, Heft 12, S. 11-15.
Wolfgang Hartmann (Hg.): 1200 Jahre Mömlingen, Mömlingen 2017.
Dietrich Hans Röder: Zur Rekonstruktion der Wasserburg am Neustädter Hof. In: Der Odenwald – Zeitschrift des Breuberg-Bundes 6, 1959, Heft 3, S. 77-83.
Theodor Stolzenberg: Weckbach, seine Herren und ihre Burgen, Weilbach 2015.