Die Walburg — eine Burg, welche nicht einmal 100 Jahre bestand
Von Wald verdeckt, von Erde begraben — so sahen die Überreste der Walburg bislang aus. Als 2016 das Archäologische Spessart-Projekt gemeinsam mit der Gemeinde Waldaschaff und dem Verein für Heimatpflege Waldaschaff e.V. mit den Ausgrabungen begannen, kam endlich Licht ins Dunkel. Zahlreiche Funde erzählen die Geschichte der Walburg. Die Walburg wurde Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet. Nach den beiden Ausgrabungen und anhand des digitalen Geländemodells (DGM) ist ersichtlich, dass eine Wehranlage mit hohen Ringmauern und einem tiefen Burggraben gebaut wurde. Die Felsränder des nördlichen Hügels wurden abgeschliffen, sodass potenzielle Angreifer die Burg nicht erklimmen konnten. Der Palas, von dem nur noch der Keller vorhanden ist, wurde um 1250 errichtet. Die Fundstücke der Inneneinrichtung, wie die Bodenfliesen, Scherben eines Kachelofens und eine grüne Glasscherbe, sprechen für einen hohen Lebensstandard der Bewohner. Vermutlich handelte es sich bei den Bewohnern um die Herren von Weiler, die zu der Zeit im Dienst des Grafen von Rieneck standen. In der Walburg fehlt die Ziegeleindeckung des Daches, welches lediglich mit Schilf oder Schindeln bedeckt wurde. Ob ein Ausbau des Daches geplant war, ist unbekannt. Aber warum wurde die Burg hier in der Walmich errichtet? Das digitale Geländemodell zeigt die topographische Situation und erklärt die Frage:
Es sind sowohl im Norden als auch im Südosten Furchen im Gelände zu erkennen. Dabei handelt sich teilweise um ehemalige Altwege. Zwar wurden während der letzten Jahrhunderte frühe Besiedlungsspuren und die weiteren Verläufe der Altwege vollständig überbaut, zu erkennen ist aber dennoch, dass die Burg direkt an einer Zuwegung zum Eselsweg, einer vielbefahrenen Fernstraße des Spessarts, lag. Dies botbeste Voraussetzungen für Versorgung und Handel. Auch hätte ohne diese Verkehrsverbindung mit dem Hinterland eine Stadt wie Aschaffenburg nicht funktionieren können!
Das im 13. Jahrhundert stark ausgebaute Straßennetz über den Spessart verband das Erzbistum Mainz mit dem Hochstift Würzburg. Auch die Stadt Frankfurt am Main wäre wohl ohne Anbindung an ein solches Wegesystem niemals zu einer bedeutenden Handelsmetropole geworden. Die Wahl dieses Standorts in der Wahlmich ermöglichte es von der Burg aus, diesen vielbefahrenen Zuweg zu kontrollieren. Zudem fließt die Aschaff, ein Zufluss des Mains, in Sichtweite der Burg. Reisende mussten unausweichlich eine Furt genutzt haben, die an dem Altweg in der Nähe der Anlage gelegen haben dürfte. Beim Überqueren der Furt könnte es mit Sicherheit zu Staubildungen und somit zu einem strategischen Vorteil für den Burgherren in der Walburg gekommen sein. Das Ende der Walburg folgt schon kurz nach dem ersten Ausbau. Am 17.03.1266 erließ der Erzbischof von Mainz einen Vertrag, in dem der Graf von Rieneck gezwungen wurde, alle seine neuen Burgen zu vernichten — darunter vermutlich auch die Walburg. Nach der Räumung wurde die Walburg durch die Burgbewohner systematisch in kürzester Zeit zerstört. Man entfernte hierfür auf Fundamenthöhe eine Reihe von Schalensteinen, welche durch hölzerne Stempel ersetzt wurden. Besonders stabile Bereiche wurden untertunnelt. Das systematische Verbrennen der Holzstutzen in den entstandenen Hohlräumen führte zum Einsturz der Mauern. Ein Teil der Mauern fiel in den Burggraben und verfüllte diesen komplett. Vollständige und hochwertige Teile des Gemäuers wurden zuvor ausgebaut, abtransportiert und weiterverwendet, z.B. zum Bau einer Mauer des Hockenhofs. Ein Wiederaufbau der Walburg fand, soweit bekannt, nicht statt.
