Nöthigsgut – Info

Die Burg Alzenau gilt als eines der schönsten profanen Bauwerke der Spätgotik in Franken. Sie wurde um 1399 durch die Mainzer Erzbischöfe erbaut und liegt auf einem Hügel oberhalb des Alzenauer Stadtzentrums. In einer Urkunde von 1399 wird neben dem Bau der Burg auch der Name Alzenau erstmals erwähnt. Den Mainzer Bischöfen diente die Burg lange Zeit als Amts- und Verwaltungssitz. Die ovalförmige Burganlage unterteilt sich in einen großen Vorhof („Unterer Burghof“) und eine Innere Burg („Oberer Burghof“). Der von massiven Mauern umgebene Vorhof umfasst den sogenannten Wirtschaftshof, wo sich die Gebäude des Amtsgerichts befinden. Über einen steilen Anstieg gelangt man in die Kernburg, welche verstärkte Mauerzüge aufweist. Dort sind ein innerer Burghof und ein Palas anzutreffen. Letzteren betritt man durch ein Spitzbogentor im östlichen Bereich des Burghofes. Im Erdgeschoss befindet sich ein großer Saal. Über eine schmale Wendeltreppe gelangt man in den repräsentativen Rittersaal im Obergeschoss, welcher als besonders anschauliches Beispiel eines spätgotischen Burgsaales gilt. Ein besonderes Kleinod aus spätgotischer Zeit bildet der Kapellenerker am Rittersaal im Herrenhaus.
Heute ist der Palas Veranstaltungsort eines lebendigen Kulturangebotes, wobei die Fränkischen Musiktage und die Burgfestspiele überregionale Bekanntheit genießen. Im einstigen Gefängnis befindet sich eine moderne Kinolounge mit Cafébar.
Kontaktdaten:
Markt Großostheim, Schaafheimer Str. 33, 63762 Großostheim, Telefon: 06026/5004-0, www.grossostheim.de

Angebote & Öffnungszeiten:
Gruppenführungen bis max. 25 Personen (buchbar über Stadt-Info); regelmäßige Veranstaltungen: „Burgfestspiele Alzenau“, „Fränkische Musiktage“ (www.fraenkische-musiktage.de); Bestandteil des Kulturwanderweges „Wein und Herrschaft“ der „Eu-ropäischen Kulturwanderwege“
Unterer Burghof: tagsüber allgemein zugänglich
Oberer Burghof: bei Veranstaltungen geöffnet
Palas: bei Veranstaltungen und Führungen geöffnet, individuell nach Anmeldung
Gruppenführungen bis 15 Personen 25 €, jede weitere Person (max. 25 Personen) 2 €
Wegbeschreibung:
WGS 84: 50.087355, 9.073967
Burg Alzenau, Burgstraße 14, 63755 Alzenau
Nöthigsgut – Geschichte & Archäologie
Pröpste und Faktoren
Das Hofgut, Hauptzierde am von Fachwerkgebäuden gesäumten Marktplatz, wurde von den Mainzer Dompröpsten als Lehen vergeben. Es war zwar vererblich, aber unteilbar und unveräußerlich. Der Lehensinhaber fungierte als Faktor für Kurmainz mit dem Erzbischof und Kurfürst an der Spitze. Der in Großostheim und Pflaumheim erhobene Kirchenzehnt wurde hier abgeliefert, wobei dem Faktor als Entlohnung ein Teil der Abgaben zufiel. Die Lehensinhaber stammten ausschließlich aus angesehenen Familien und bekleideten häufig auch das Amt des kurmainzischen Zentgrafen. Dieser war oberster Richter, zuständig für Verwaltung, Steuern, Zoll, Militär, Polizei und Geleit.
Als erster bekannter Lehensnehmer wird der Niederadelige Heinrich Clebitz genannt. Erzbischof Johann II. (1397-1419) verleiht ihm als mainzisches Mannlehen einen Hof, gelegen zwischen der Kirche (erbaut bereits 1250/70) und dem damaligen Spielhaus. Auf Clebitz gehen die Kleeblätter im Gemeindewappen von Großostheim zurück. Der erste namentlich bekannte Pächter des Guts war Hermann Kühlbrot, der 1485 wegen Aussatzes, also weil er an Lepra erkrankt war, den Hof aufgeben musste. Unter den ihm folgenden Pächtern war von 1762 bis 1921 die namensgebende Familie Nöthig. Um 1800 besaß der Faktor Nöthig mit 254 Morgen den größten Grundbesitz vor Ort. Der „Großostheimer Morgen“ entsprach damals 1800 Quatratmeter, das Hofgut umfasste damit fast 46 Hektar. Die Bewirtschaftung solch umfangreicher Ländereien erforderte viel Personal, sodass bis ins 20. Jahrhundert hinein hier die meisten Großostheimer beschäftigt waren.

Im Jahr 1929 erwarb die Gemeinde das Anwesen samt des Grundbesitzes. Es zog ein Altersheim (Pfründnerheim) ein, später noch die örtliche Gendarmerie. In den Jahren 1937/38 wurde die an der Kanzleistraße gelegene Scheune zu einem Hitler-Jugendheim umgebaut. Außerdem entstand auf dem Grundstück eine Feuerwehrhalle mit Schlauchturm. Nach dem 2. Weltkrieg waren mehrere Sozialwohnungen untergebracht. Von 1988 bis 1992 diente das Nöthigsgut als Filmkulisse: 52 Folgen der Fernsehserie „Mit Leib und Seele“ mit Günter Strack in der Hauptrolle wurden hier gedreht. Seit Anfang der 90er Jahre erfolgte nach und nach die Räumung der einzelnen Gebäudeteile und deren Umbau zum Kulturzentrum Nöthigsgut. Im Herrenhaus findet sich auf ca. 1100 m² im regional bedeutsamen Bachgaumuseum eine reiche Anzahl kulturhistorischer Schätze, die auf eindrucksvolle Weise das Leben auf einem frühneuzeitlichen Herrschaftssitz, daneben auch das Leben der Handwerker präsentieren. Seit der umfassenden Sanierung des Gesamtkomplexes ist hier auch die Musikschule untergebracht, das Gotische Haus wird für vielerlei Veranstaltungen wie Trauungen, Feiern, Ausstellungen und Seminare genutzt.
Die Hofanlage

Wie andere Höfe in Großostheim auch, wird das Nöthigsgut durch ein großes Hoftor und eine daneben gelegene schmale Fußgängertür erschlossen. Das Gut besteht aus drei Wohn-/Wirtschaftsgebäuden und einer Zehntscheune sowie einem 1549 im Innenhof errichteten, 14 Meter tiefen Brunnen. Zusammen mit den ehemaligen Stallungen im Westen, heute Teile des Bachgaumuseums, und einer zugebauten Einfahrt im Osten erkennt man einen annähernd dreieckigen Hofgrundriss.
Das Gotische Haus lässt sich auf 1421 datieren und ist somit das älteste Fachwerkgebäude im Landkreis Aschaffenburg. 2005-2007 wurde es statisch ertüchtigt und sein Bauzustand u.a. anhand historischer Fotografien im Stil der späten Gotik, daher der Name, rekonstruiert. Die architektonische Unterscheidung zwischen Originalsubstanz und den für eine vielfältige Nutzung unerlässlichen modernen Funktionselementen, wie WC-Anbau oder Glasfläche am Eingang, trägt diesem Konzept in gelungener Weise Rechnung.

Das 1571 erbaute Hohe Haus war „Hotel“ für den Dompropst, der Mittelbau diente dem Lehensmann als Wohnung. Im Zuge der Sanierung des Gesamtkomplexes zwischen 1993 und 2001 konnte auch die ursprüngliche Farbfassung der Gebäude zur Erbauungszeit um 1580, an die sich die heutige Farbgestaltung anlehnt, festgestellt werden: Die Balken des Fachwerks sowie ein breiter Streifen an beiden Seiten waren in kräftigem Ockergelb gestrichen und die Gefache in Eierschalenfarbe abgesetzt. Ein schwarzer Begleitstrich fasst das Ockergelb wirkungsvoll ein. Die Fenstergewände trugen aufwändige Malereien.
Nöthigsgut – Medien
Impressionen aus dem Bachgaumuseum
Marktplatzfest Großostheim
Alle zwei „geraden“ Jahre werden Mitte September unter dem Motto „Handwerk und Kultur“ und umgeben vom repräsentativen Nöthigsgut, der alten Pfarrkirche sowie den prächtigen Fachwerkhäusern vergangene Zeiten lebendig. Der historische Marktplatz verwandelt sich dabei in ein geschichtlich angehauchtes Ortszentrum: Traditionelle Handwerkskunst – Korbflechter, Drechsler, Schuster, Schnapsbrenner, Buchdrucker und viele andere – und die urigen Rothenburger Landsknechte hauchen mit ihren Gesängen den guten alten Zeiten Leben ein.
Das Programm lässt kein Massenspektakel erwarten, lädt eher zum „Babbeln“ und gemütlichen Beisammensein ein. Dazu passt ein kleiner Festzug sowie der Auftritt lokal verwurzelter Kabarettisten. Weiterhin finden Führungen durch den historischen Ortskern statt und das Bachgaumuseum ist geöffnet. Die Besucher erwartet zudem vielfältige, unterhaltsame Musik an beiden Tagen.
Der Eintritt zu dem von der Eder & Heylands Brauerei in Zusammenarbeit mit dem Markt Großostheim veranstalteten Fest ist frei.
Ausführliche Informationen erhalten Sie hier.
Schulprojekt: Die eigene Burg Alzenau aus Holz
In unmittelbarer Nähe zur Burg liegt die Hahnenkamm-Schule zur Lernförderung. Dort finden regelmäßig Kurse statt, in welchen die Schüler*innen unter der Anleitung eines Zimmerermeisters Objekte aus Holz selbst anfertigen. So entstanden zum Beispiel in den letzten Jahren tolle selbstgemachte Weihnachtsdekorationen. Durch eine identitätsstiftende Aktion möchten wir hier exemplarisch die Kinder und Jugendlichen insbesondere für die „eigene Burganlage vor der Haustür“ und somit für die Regionalgeschichte sensibilisieren. Unter dem Motto „Wir bauen uns unsere eigene Burg“ soll im Rahmen eines solchen Holzwerkkurses die Schulgruppe die Burg Alzenau unter Anleitung nachbauen. Teil unseres LandKULTUR-Konzeptes ist es, neben einer beispielhaften Umsetzung eines solchen Projektes, auch die Visualisierung eines vereinfachten Bauplans einer Burg, der sich insbesondere zum eigenständigen Werken gut eignen soll.
Auf Grund der Corona-Pandemie findet die Umsetzung dieses Schulprojektes voraussichtlich während des Schuljahres 2020/2021 statt.















