Freudenburg

Hoch über dem Main und der Stadt Freudenberg thront die Freudenburg am Ausläufer des fränkischen Odenwaldes. Sie ist Geopunkt des “Geonaturparkes Bergstraße–Odenwald” und Mitglied der “Burglandschaft”. Die Freudenburg ist unter Burgenkennern wegen ihres auffälligen Burgfrieds, einem sogenannten “Butterfassturm”, hier einem dreistufigen Bau, sehr bekannt. Ihr Name geht wahrscheinlich zurück auf die ritterliche Tugend der “vröude”.
Kontaktdaten:
Stadt Freudenberg
Tourismus & Kultur
Hauptstraße 115
97896 Freudenberg am Main
09375/920090
touristinfo@freudenberg-main.de
www.freudenberg-main.de

Angebote & Öffnungszeiten:
Gruppenführungen durch die Freudenburg sowie die historische Altstadt sind auf Anfrage möglich. Wenden Sie sich hierzu bitte an:
Wegbeschreibung:
- Einstieg zu den Stufen auf die Freudenburg direkt am Rathaus, Anstieg über den Burgweg
- über den Parkplatz Wanderparkplatz Kreuzschleife, Fußweg eben durch den Wald ca. 15 Minuten (auch mit dem Fahrrad möglich)
- alle zwei Jahre zu den Burgfestspielen ist ein Pendelbus ab der Hindenburgstraße eingerichtet.
Gastronomie:
Freudenberg bietet eine Vielzahl an Einkehrmöglichkeiten. Eine Zusammenstellung finden Sie auf der Website der Stadt Freudenberg.
Rainer Türk: Wanderungen um Freudenberg am Main.
Eugen Mai: Geschichte der Stadt Freudenberg am Main, 1987.
Text: Caroline Becker M. A., Tourismus & Kultur
Freudenberg – Geschichte & Archäologie
Burgenbau zur „Standortsicherung“
Der Würzburger Bischof Heinrich III. kam Ende des 12. Jahrhunderts in den Besitz der kleinen Siedlung Lullingescheit. Mit dem Bau des Bergfriedes setzte er ein Zeichen des Machtanspruches gegen die Herrschaft derer von Düren auf der Wildenburg und gegen die Reichsschenken zu Schüpf-Klingenberg auf der Henneburg. Durch seine gigantischen Ausmaße ließ der Bergfried keinen Zweifel am Machtanspruch der Würzburger aufkommen. Noch heute ist er der imposanteste Bauteil der Freudenburg.
Die Grafen von Wertheim und die Burg
Verträge aus dem Jahr 1287 lassen vermuten, dass die Grafen von Wertheim damals schon über die Freudenburg verfügten. Graf Rudolf von Wertheim baute die Freudenburg 1361 zu einem standesgemäßen Wohnsitz um. 1497 fällt Freudenberg an Graf Erasmus von Wertheim, unter dessen Herrschaft die größten Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen erfolgen. Erasmus macht aus der Burg eine Festungsanlage und errichtet einen prachtvollen Renaissancebau. Er bewohnt das Schloss und möchte sich von seinem auf der Burg Wertheim residierenden Bruder Michael abgrenzen.
Doch die glanzvollen Zeiten auf der Freudenburg vergehen schnell. Erasmus von Wertheim, der 1499 auch das Freudenberger Rathaus erbauen ließ, stirbt kinderlos 1509. Die Herrschaft geht zurück in den Besitz seines Bruders. 1556 sterben die Grafen zu Wertheim aus, das Lehen fällt zurück an das Bistum Würzburg und das Interesse an der Burg versiegt.
Auch in Freudenberg kam es im 16. und 17. Jahrhundert zu Hexenverfolgungen. Über 150 Bewohner der Stadt wurden “hochnotpeinlich befragt”, den Hexenproben unterzogen, gefoltert und gequält, ehe man sie am Brennplatz öffentlich verbrannte. Eingesperrt hatte man die Verdächtigen zuvor im Kanonenturm der Freudenburg.
Noch heute ist gut nachzuvollziehen, wie die Burg einst ausgesehen hat. Innerhalb der Burganlagen war der Palas als Wohngebäude ausgebaut und über einen hölzernen Gang mit den Kemenaten verbunden. Die Palaswand, an deren Seite in römischen Ziffern die Jahreszahl 1361 zu lesen ist – das Jahr, in dem die Burg erstmals durch den Grafen von Wertheim ausgebaut wurde -, ist noch erhalten, nicht so der Kemenatenbau. Der mächtige dreiteilige Bergfried war nur über den Wehrgang zu erreichen und zeigt vielfältige Steinmetzzeichen. Es gab eine kleine Kapelle in der ein Geistlicher nachweislich seinen Dienst tat. Große Keller waren angelegt, um Vorräte zu lagern. 1499 baute Graf Erasmus die Freudenburg zu seinem Wohnsitz aus und rüstete die gesamte Anlage wehrhaft auf, baute den Kanonenturm und die Schenkelmauern zur Stadt.
Vergangen – vergessen – verfallen
Keines der sicher zahlreichen hölzernen Burggebäude ist heute noch erhalten. Nach dem Tod des letzten Wertheimer Grafen war die Burg nicht mehr dauerhaft bewohnt und der Verfall der Anlage setzte ein. Die Freudenburg fiel in einen “Dornröschenschlaf”: Efeu, Gestrüpp und Dornen bemächtigten sich ihrer und Wanderer wurden gewarnt das Gelände zu betreten.
Retter war die “Burginitiative” unter der Leitung von Franz Hofmann. Nach vielen tausend Arbeitsstunden erhielt die Burg 1987 den Staatspreis des Landes Baden-Württemberg für vorbildliche Sanierung. Am 2. Juli 1995 wurde sie offiziell Eigentum der Stadt. Seit 1987 werden im 2-Jahres-Rhythmus auf der Freudenburg die Burgfestspiele inszeniert.
Räuberschlösschen / Frohburg

Das sogenannte „Räuberschlösschen“ bot seit jeher viel Raum für Spekulation. Trägt man die wenigen fundierten Fakten zusammen, so zeigt sich als plausibelste Interpretation das Bild einer hochmittelalterlichen Burg mittlerer Größe mit teils stattlicher Mauerstärke und einem Fundspektrum, welches an einer adligen Besiedelung keinen Zweifel lässt. Leider wurden die 1890 von Wilhelm Conrady ergrabenen Artefakte nie fachkundig untersucht. Aus alten Beschreibungen geht hervor, dass sich wohl keine glasierte Ware unter der Keramik befand und diese recht spärlich aufzufinden war – beides Hinweise auf ein hohes Alter der Anlage. Die Burg stand offensichtlich im Zusammenhang mit dem unterhalb gelegenen, jedoch bis auf die St. Laurentiuskapelle abgegangenen Dorf Lullingsheid, der Vorgängersiedlung Freudenbergs, sowie dem alten Flussübergang hinüber zum ursprünglichen Ort Kirschfurt. Wie der Ort Lullingsheid zugunsten der im 13. Jahrhundert entstandenen Stadt Freudenberg, wurde offensichtlich auch das „Räuberschlösschen“ nach Erbauung der Burg Freudenberg aufgegeben. Deutliche Brandspuren, die bei den Grabungen im 19. Jh. zutage traten, könnten sogar auf einen gewaltsamen Untergang der Burg hindeuten.

Doch wer waren die Burgherren dieser nur wenige hundert Meter von Burg Freudenberg entfernten Vorgängerburg? Jüngste Forschungen zeigen, dass der Baugrund auf dem Territorium des Klosters Amorbach lag, welches zum Bistum Würzburg gehörte. Eine zuvor nie lokalisierte Adelsfamilie, die eng mit Würzburg und dem Kloster Amorbach verbunden war und folglich in der Nähe ihren Wohnsitz besessen haben muss, waren die Herren von Frohburg. Die erste Erwähnung erfolgt 1149 in einer Urkunde König Konrads III., welcher darin dem Domkapitel von Würzburg einen Gütertausch bestätigt. Unter den edelfreien Zeugen wird ein Rupert von Frohburg genannt. Ab 1164 erscheint der Kleriker Konrad von Frohburg als Zeuge für die Bischöfe von Würzburg, 1194 wird er als Propst bezeichnet. Neben ihm – teils in denselben Urkunden – ist ein Rupert von Frohburg unter den edelfreien Zeugen genannt, bei dem es sich um einen Verwandten (Bruder?) Konrads handeln muss. Ab 1171 erscheint Rupert immer häufiger unter dem Namen „de Durne“ (von Dürn), im Jahr darauf zum letzten Mal als „von Frohburg“. Dass es sich um dieselbe Person handelt, zeigt das zumeist gleiche Zeugenumfeld. Vor allem Konrad von Boxberg, mit dessen Schwester Rupert vermutlich verheiratet war, ist fast immer sein Nachbarzeuge. Dieser Rupert von Frohburg/Dürn erlangte mutmaßlich um 1168 das Vogteiamt des Klosters Amorbach, welches über Generationen in seiner Familie verbleiben sollte. Ruprecht verlegte seinen Stammsitz nach Walldürn, das ebenfalls im Gebiet des Amorbacher Klosters lag, und nach dem die Familie fortan benannt wurde. Die Umstände und zeitlichen Abläufe machen es sehr wahrscheinlich, dass es sich beim älteren Stammsitz „Frohburg“ um die später im Volksmund „Räuberschlösschen“ genannte Burgstelle handelt.

Freudenburg

Burg Freudenberg wurde vor 1197 unter dem Würzburger Bischof Heinrich v. Berg begonnen. Vermutungen, der Bau der Burg sei eine Reaktion auf die Expansion der Herren von Dürn, die nicht lange davor mit Burg Wildenberg einen neuen Stammsitz gegründet hatten, muss allerdings widersprochen werden. Bei der Adelsfamilie Dürn handelte es sich um getreue Gefolgsleute der Würzburger Kirche, denen sogar von den Bischöfen die Vogtei über das bedeutende Kloster Amorbach anvertraut war. Auch im Bauwerk selbst finden wir Hinweise, die ein anderes Bild zeichnen. Bischof Heinrich III. von Würzburg wollte mit Burg Freudenberg am Main eindeutig ein klares Zeichen seiner Herrschaft setzen. Der aus seiner Zeit stammende untere Abschnitt des Bergfrieds mit einer Seitenlänge von ca. 14 m zeigt das Vorhaben des Bischofs, einen der mächtigsten Türme dieser Bauart überhaupt errichten zu wollen. Das Buckelquadermauerwerk über einem Glattquadersockel ist von höchster Qualität. Dieses Machtsymbol sollte nicht nur regionale Grafen- und Edelfreienfamilien wie die Dürn, Rieneck oder Wertheimer einschüchtern, sondern zielte vor allem auf die um das begehrte Gebiet konkurrierenden Fürsten, die Pfalzgrafen bei Rhein und die Erzbischöfe von Mainz, ab. Ein weiteres Indiz, welches sogar für eine Kooperation zwischen dem Würzburger Bischof und der Familie Dürn hinsichtlich Burg Freudenberg spricht, sind die teils sehr individuellen Steinmetzzeichen auf den Buckelquadern des Turmstumpfes, von denen viele ebenfalls auf Burg Wildenberg vorkommen. Vermutlich handelte es sich um dieselbe Bauhütte, die zuerst auf Wildenberg und dann auch auf Freudenberg zum Einsatz kam. Als wichtigste Gefolgsleute des Hochstiftes Würzburg vorort könnte man sogar an eine Beaufsichtigung des Baus der Burg durch die Herren von Dürn denken. Mit dem Tod Bischof Heinrichs III. am 14. April 1197 wurde zunächst auch der Bau der Burg eingestellt. Eine dadurch erfolgte radikale Planänderung am Turm ist unübersehbar. Seine Nachfolger im Bischofsamt scheinen während der Wirren des Thronstreites zwischen Staufern und Welfen kein Interesse an einem Weiterbau gehabt zu haben. Zangenlöcher, von der Hebezange zum Versetzen der Quader, im mittleren Bereich des Bergfrieds verweisen auf eine Entstehung nicht vor 1220. Weshalb aber immer noch die gleichen Steinmetzzeichen erscheinen, ist offensichtlich dem Umstand geschuldet, dass von 1197 noch eine gewisse Menge an vorgefertigten Quadern zur Verfügung stand. Mit ihnen errichtete man einen um mehr als 2 m auf allen Seiten reduzierten Abschnitt. Die deutlich schlechtere Bauart deutet ebenfalls auf eine spätere Fortsetzung hin. Als Bauherr, der nicht nur die Aufstockung des Turmes, sondern auch den Bau der anschließenden Ringmauer veranlasste, kommt am besten Bischof Hermann I. von Würzburg infrage. Der streitbare Kirchenmann führte nicht nur Fehden gegen die Grafen von Rieneck und Henneberg, sondern mischte auch in der Reichspolitik kräftig mit. Für eine Fertigstellung der Burg Freudenberg erst im 2. Drittel des 13. Jhs. spricht außerdem, dass erst ab 1246 ein Adliger erscheint, der nach der Burg zubenannt wird. Der Niederadlige Marquard von Freudenberg dürfte personengleich sein mit einem 1235 erwähnten Marquard von Amorbach. Zweifellos handelte es sich bei ihm um einen Dienstmann der Herren von Dürn, die ihn vor 1246 auf die nun bezugsfähige Burg setzen, welche sie wohl immer noch für Würzburg verwalteten.
Freudenburg – Medien
Impressionen Herbst/Winter 2014:
© Medienproduktion Timo Breidenbach; Überarbeitung: Ewa Sikora; Musik: Cantiga’s Renaissance Festival Favorites.
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