Burg Lindenfels – Info

Über dem Stadtpanorama von Lindenfels thront die Ruine der gleichnamigen Burg und beeindruckt Besuchergruppen mit ihrem annähernd 360° Rundumblick über die umliegenden Täler. Ursprünglich hatte an dieser Stelle die Vorgängerburg „Slirburc“ (Schlierburg), vom damaligen Abt des Reichsklosters Lorsch 1080 erbaut, gestanden. Die jetzige Anlage ist während des 12. Jahrhunderts durch Graf Berthold den Jüngeren, Vogt des Klosters Lorsch, gegründet worden. Später kam Burg Lindenfels in den Besitz Konrads von Staufen, einem Halbbruder von Friedrich I. Barbarossa, 1277 wurde sie an den Wittelsbacher Pfalzgrafen Ludwig II. verkauft. Bis sie 1789 zum Abbruch freigegeben wurde, war Burg Lindenfels bewohnt.
Die Anlage wurde im Laufe ihrer Nutzungszeit grundlegend erneuert und erweitert, jedoch stammt die regelmäßige polygonale Kernburg mit der Ringmauer aus dem 12. Jahrhundert. Mittig befand sich ein runder freistehender Bergfried, welcher heute durch eine Pflasterung angedeutet wird. Aus den späteren Bauphasen sind unter anderem der imposante Spitzgiebel des spätgotischen Wohnbaus und das mit Steinmasken und Pechnase versehene Burgportal erhalten.
Seit den 1880er-Jahren fanden mehrfach Restaurierungsarbeiten statt, sodass die Burg jetzt Raum für kulturelle Veranstaltungen, wie dem Lindenfelser Burg- und Trachtenfest, Musikveranstaltungen oder auch Mittelalterfesten bietet.
Kontaktdaten:
Kur- und Touristikservice
Burgstra. 37
64678 Lindenfels
Telefon: 06255 / 306-44
E-Mail: touristik@lindenfels.de
Web: www.lindenfels.de

Angebote & Öffnungszeiten:
ganzjährig frei zugänglich (bei Veranstaltungen eingeschränkter Zugang)
Im Rahmen der monatlichen Stadtführung, die von März bis Oktober angeboten werden, wird die Burg mit eingeschlossen, in den Sommermonaten gibt es zahlreiche Veranstaltungen und Fest, ab 2020 gibt es einen Infopunkt mit Kiosk
Eintritt frei
Wegbeschreibung:
WGS 84: 49.682264, 8.776834
Burgstr. 45, 64678 Lindenfels
Burg Lindenfels – Geschichte & Archäologie
Lindenfels Baugeschichte
Zum ältesten Bestand der Burg gehören zweifelsfrei Teile eines Kellergewölbes — vor allem dessen 3,7 m (!) starke Nordmauer — sowie geringe Reste einer quadratische Abortanlage im Westen der Kernburg. Sie könnten von einem frühen Wohnturm stammen, wie er auf nahezu jeder salierzeitlichen Burg vorkam. Die an manchen Stellen über 3 m dicke Ringmauer wurde durch Umbauten, Steinraub und Renovierungen teils stark verändert. Ein möglicherweise stauferzeitlicher runder Bergfried ist gänzlich verschwunden, wie auch die meisten Gebäude, die sich in Randhausbebauung rings um den Burghof befanden. Im Süden findet man Reste einer Kapelle. Am besten hat sich der große gotische Palas mit seinem markanten Giebel erhalten.
Die Kernburg wird von einer in nur durchschnittlich 4 m Abstand erbauten Zwingermauer umschlossen, deren Alter mangels stilistischer Merkmale nur schwer zu deuten ist. Ihr Zugang lag im Nordwesten, nahe des Kernburgtores, wo noch Spuren des südlichen Gewändes zu erkennen sind. Hier wurde später die Mauer von innen verstärkt und eine Stichmauer zur Ringmauer geschaffen, die wohl von einer Überbauung des Bereiches zwischen den beiden Toren stammt. Eine zweite, großräumige Umfassungsmauer im Westen, Süden und Norden der Burg fällt in die Zeit der Stadterhebung des mittlerweile im Anschluss an die Burg entstandenen Weilers. Das wehrhafte „Untere Tor“ sowie eine gewinkelte Mantelmauer im Nordwesten sind dieser Bauphase zuzuordnen. Auch die Siedlung Lindenfels erhielt nach 1336 eine erste Stadtmauer, zu der die Reste des stadtseitigen Durchganges des „Inneren Fürther Tores“, der bergfriedartige „Bürgerturm“ und ein Bollwerk mit Spitzbogenfries im Nordosten gehören. Nach Einführung der Pulverwaffen legte man um Burg und Stadt einen zweiten Mauerring. Zuvor hatte man aus einem bastionsartigen Mauervorsprung im Süden bereits einen starken Turm mit tiefem Kellergewölbe gebaut, der zweifelsfrei zur Aufbewahrung des Pulvers diente. Zwei große, vor die neue Mauer tretende Türme übernahmen die Flankierung der West- und Südseite, ebenso erhielt die äußere Stadtmauer mehrere Geschütztürme. Dem „Inneren Fürther Tor“ wurde ein zweites vorgesetzt, ausgestattet mit einem Wehrerker, der stilistisch dem des Nordost-Tores gleicht, das heute als Kernburgtor fungiert. Etwa ein Jahrhundert später wurde zur Sicherung des „Inneren Fürther Tores“ noch das „Äußere Fürther Tor“ hinzugebaut.






