Die Rekonstruktionszeichnung von Curt Full, publiziert im Band 2:“ Die Burgen des Odenwaldes – Neckar und Main“, lieferte die Idee, die Clingenburg als haptisches Modell zu erstellen. Zum diesjährigen Jubiläum „750 Jahre Stadt Klingenberg“ wurde das Wahrzeichen der Stadt mit dieser Visualisierung gewürdigt.
Erste Darstellungen der Burg gibt es von Daniel Meisner um 1630 und von Mathias Merian um 1655. Beide Darstellungen sind sich sehr ähnlich und zeigen die Burg mit einigen kleineren Bauwerken der Vorburg, vor allem aber mit einem mächtigen, treppen-giebeligem Palasgebäude und einem Bergfried mit rechtwinkligem Grundriss. Eine spätere Quelle bietet ein Aquarell von Anton Radl (1774 – 1852), das die Clingenburg Anfang des 19. Jahrhunderts zeigt. Der Künstler hat zahlreiche Details festgehalten, die im Burgmodell umgesetzt werden konnten. Vor allem ist der runde Bergfried bzw. Beobachtungsturm als Segment und in voller Höhe dargestellt. Im Hintergrund der Aquarellzeichnung ist ein weiteres, hohes Wohngebäude mit Treppengiebel zu sehen, das heute komplett verschwunden ist und in Teilen im Schutt des abgetreppten Bühnenbereiches liegen dürfte. Einige weitere Details wurden im Burgmodell umgesetzt, wie zum Beispiel die bergseitige Schildmauer mit Zinnen und Schlüsselscharten. Ein Bauelement wurde in groben Zügen von der Wildenburg bei Kirchzell übernommen: ein Burgkapelle der frühen Bauphase über dem romanischen Burgtor. Insgesamt war die Clingenburg des 16. Jahrhunderts eine stattliche Anlage – das Burgmodell zeigt dies eindrucksvoll und lädt zur Burgentdeckung ein.


