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Burgengruppe Neckarsteinach

Die Vierburgenstadt Neckarsteinach ist bekannt für ihre Burg- anlagen, die in unmittelbarer Nachbarschaft aufgereiht auf einem Bergsporn bzw. am Hang westlich der Stadt liegen. Alle Burgen sind ca. zehn Gehminuten voneinander entfernt.
Die älteste der vier Burgen, die Vorderburg (1), muss bereits 1142 existiert haben. Sie liegt direkt über der Altstadt und ist mit der Stadtmauer verbunden. Bis 1653 blieb sie im Lehensbesitz der Herren von Steinach. Der Minnesänger Bligger von Steinach lebte hier. Westlich davon wurde einige Zeit später, um 1200, die Mittelburg (2) errichtet. Bei den Bauherren hier handelt es sich vermutlich um die Grafen von Lauffen, welche die Lehnsherren der von Steinach waren. Später wurde die Anlage erst im Renaissance-Stil, dann im Stil der Neogotik umgebaut. Vermutlich war es Gerhard von Schauenburg, der gegen 1220/1230 die Hinterburg (3) als dritte Burg erbauen ließ. Bei ihm handelt es sich um einen Erben der von Lauffen, welche 1219 ausstarben. Er übernahm sich finanziell, stellte den Bau ein und ließ die Burg wüst liegen. Erst Mitte des 14. Jahrhunderts kam es zum Ausbau. Die Burg wurde während des Dreißigjährigen Krieges zerstört. Zuletzt entstand um das Jahr 1335 Burg Schadeck (4), das „Schwalbennest“, direkt auf einem Felssporn. Erzbischof Balduin von Trier erbaute diese Burg — unrechtmäßig! Tatsächlich erwarb er erst nachträglich den Grundbesitz hierfür von den Herren von Steinach.

Kontaktdaten:

Tourist-Informatin Nackarsteinach
Hauptstr. 7
Telefon: 06229/ 92000
E-Mail: info@neckarsteinach.de
Web: www.neckarsteinach.de

Info-Zentrum Neckarsteinach
Neckarstraße 47
Telefon: 06229 / 708491
E-Mail:geopark@neckarsteinach.de

Angebote & Öffnungszeiten:

Vorderburg, Mittelburg: Privatbesitz, Besichtigung nur mit Genehmigung (Kontakt: Baronin Ulrike von Warsberg, Tel.: 06229 / 454, office@mittelburg.net)
Hinterburg, Burg Schadeck: ganzjährig frei zugänglich
Burgenführer (Kontakt: Info-Zentrum Neckarsteinach

Wegbeschreibung:

(1) / (2) WGS 84: 49.409486, 8.834102
Schlosssteige, 69239 Neckarsteinach
(3) / (4) WGS 84: 49.409500, 8.826613
Burgenweg, 69239 Neckarsteinach

Vier Burgen Neckarsteinach – Geschichte & Archäologie

Schwalbennest (Burgruine)

Die Burgruine Schwalbennest, eigentlich Schadeck, ist die Ruine einer mittelalterlichen Hangburg in Felslage auf 190 m ü. NN bei Neckarsteinach im Landkreis Bergstraße. Sie ist die jüngste der vier Neckarsteinacher Burgen Vorderburg, Mittelburg, Hinterburg und Schwalbennest.

Lage

Anders als die drei anderen Burgen liegt die Burgruine Schwalbennest (Schadeck) nicht auf der Bergzunge, sondern neckarabwärts an einem steil abfallenden Bergmassiv.

Geschichte

Die Burg wurde vermutlich vom jüngsten Sohn Ulrichs I. von Steinach, Ulrich II., als vierte und jüngste Burg der vier Burgen bei Steinach errichtet. Der Bauherr musste ein großes Stück aus der Felsenwand herausbrechen lassen, um genügend Baufläche für die Burg zu erhalten. Der Name der Burg, „Schadeck“ (früher: „Schadheck“) bedeutet Schwalbennest, und von diesem Namen leitet sich der Name der Adelslinie Landschad von Steinach, zur Unterscheidung der damals noch bestehenden weiteren Linien der Herren von Steinach, ab. Nach dem Aussterben der älteren Linie gelangten die Landschad auch in den Besitz der Vorderburg, so dass die kleine Schadeck 1335 von Bligger X. und Dieter I. Landschad von Steinach jeweils zur Hälfte an die Stifte in Worms und Mainz verkauft wurde. 1350 scheint der Wormser Teil gewaltsam an Mainz gelangt zu sein. 1395 war die Burg in zersplitterten Anteilen an die Nachkommen der Söhne von Eberhard von Rosenberg, des mainzischen Vogts zu Walldürn, verpfändet, die diese Anteile wiederum teilweise an weitere niedere Adelige abtraten. 1428 befand sich die gesamte Burg im Besitz des Mainzer Erzbischofs Konrad, der sie an Dieter II. Landschad von Steinach verpfändete. Die Burg blieb im Besitz der Landschad von Steinach und ging, da das bischöfliche Pfand nicht mehr eingelöst wurde, in den Allodialbesitz der Familie über, wo die Burg bis zum Aussterben der Hansischen Hauptlinie der Landschad mit dem Tod Dieters VIII. 1625 verblieb. Dieters VIII. Tochter Eva Elisabeth, Witwe Wolf Conrads Greck von Kochendorf, verkaufte Schadeck mit den restlichen Allodien der Landschad am 6. Mai 1657 an Wolf Heinrich Metternich zu Burscheid, der von Speyer und Worms die nach dem Aussterben der Landschad eingezogenen Lehen über den Ort, Vorderburg und Mittelburg sowie die halbe Hinterburg besaß. Nach Erlöschen der Burscheider Linie der Metternich 1753 gelangte nicht nur der frühere Lehensbesitz, sondern auch Allodialbesitz und damit die Schadeck an die Stifte zu Speyer und Worms. Nach 1803 kam der territoriale Besitz der Stifte an das Land Hessen, in dessen Besitz die Burg sich bis heute befindet.

Anlage

Der Aufgang zur Burg war ursprünglich über einen Serpentinenweg möglich und später über einen in den Fels geschlagenen Halsgraben.

Statt des Bergfriedes verfügt die Burg über eine zweiflüglige Schildmauer, die mit der Spitze gegen das Felsmassiv zeigt. Auf der Schildmauer verläuft ein Wehrgang. Bei Umbauarbeiten im 15. Jahrhundert wurde der Palas in den geschützten, aber feuchten Winkel der Schildmauer verlegt und der Wehrgang erhielt an seinen beiden Enden jeweils einen Turm. Der achteckige Aufsatz auf dem nördlichen Turm stammt aus der Zeit der Romantisierung des 19. Jahrhunderts ähnlich der Mittelburg.

Eines der früheren Palasgebäude lag im jetzigen Hof, wo die noch sichtbaren Fensteröffnungen einen herrlichen Blick auf Neckarsteinach bieten und im Innern der Kernburg sind noch Reste von Wohngebäuden zu erkennen.

Rezeption

Um Neckarsteinach, die Landschad von Steinach und das Schwalbennest gibt es eine Vielzahl romantisch verklärter Sagen und Berichte. So erdachte auch der französische Dichter Victor Hugo im Jahr 1838 eine auf dem Schwalbennest angesiedelte Begebenheit:

„Aus einem der vier Bergfriede hat man einen Bauernhof gemacht, aus dem zweiten ein Sommerhaus. Die beiden anderen, die völlig verfallen, zerstört oder verlassen sind, haben mich besonders interessiert und mehrmals zur Rückkehr bewogen. Der eine hieß im 12. Jahrhundert und heißt heute noch Schwalbennest, weil er aufragt, als sei er von einer riesigen Schwalbe auf einem Felssockel an die Wand eines großen Sandsteinberges gebaut worden. Zu Zeiten Rudolfs von Habsburg war dies der Herrensitz eines schrecklichen Edelmanns und Raubritters, den man Bligger die Geißel nannte. Das ganze Tal von Heilbronn bis Heidelberg war die Beute dieses Sperbers mit Menschengesicht. Wie alle seinesgleichen wurde er vor den Reichstag befohlen. Bligger ging nicht hin. Der Kaiser belegte ihn mit dem Reichsbann. Bligger lachte nur darüber. Der Rheinische Bund entsandte seine besten Truppen und seine besten Heerführer, um das Schwalbennest zu belagern. Nach drei Ausfällen hatte die Geißel die Belagerer niedergemacht. Dieser Bligger war ein Krieger von gewaltiger Gestalt, der mit dem Arm eines Schmieds zuschlug. Schließlich exkommunizierte der Papst ihn samt all seinen Anhängern. Als Bligger hörte, wie am Fuße seiner Burgmauer einer der Herolde des Heiligen Römischen Reiches die Exkommunikationsbulle verlas, zuckte er nur mit den Schultern. Als er am nächsten Morgen erwachte, fand er seine Burg verödet, das Tor und die Ausfallpforte zugemauert. All seine Waffenträger hatten im Schutz der Nacht die verfluchte Zitadelle verlassen und die Ausgänge zugemauert. Einer von ihnen, der sich auf einem Bergfelsen versteckt hatte, von wo aus er das Schloßinnere beobachten konnte, sah Bligger die Geißel den Kopf senken und langsam in seinem Hof auf und ab marschieren. Er betrat keinen Augenblick den Bergfried, sondern ging allein bis zum Abend hin und her und ließ die Fliesen unter seinen eisernen Absätzen erschallen. Als die Sonne hinter den Hügeln von Neckargemünd versank, schlug der gefürchtete Burggraf der Länge nach auf das Pflaster. Er war tot. Sein Sohn konnte die Familie nur vom Kirchenbann befreien, indem er das Kreuz nahm und aus dem Heiligen Land den Kopf des Sultans mitbrachte, der noch heute im Wappenschild eines steinernen Ritters prangt, der Ulrich Landschad hieß, der Sohn Bliggers war und nun auf einem Grabmal in der Kirche von Steinach liegt. Dieses Adelsgeschlecht ist heute erloschen.“

Zitiert bei Victor Hugo[1]
 

Mark Twain beschreibt in seinem Buch Bummel durch Europa auch eine Floßfahrt auf dem Neckar von Heilbronn nach Heidelberg, bei der er auch an Neckarsteinach vorbeikam:

Die anmutigen Turme und Zinnen der beiden mittelalterlichen Schlösser »Das Schwalbennest« und »Die Brüder« verstärkten den romantischen Eindruck der Landschaft um die Flussbiegung zu unserer Rechten.

Sonstiges

Auf einem der oberen beiden Türme findet sich eine rätselhafte Inschrift, die ins Jahr 1871 verweist. Ob ein Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg besteht, konnte noch nicht geklärt werden.

 

Hinterburg (Neckarsteinach)

Die Hinterburg, auch Alt-Schadeck genannt, ist die Ruine einer Spornburg auf 165 m ü. NN bei Neckarsteinach im Landkreis Bergstraße in Hessen. Sie ist die älteste der vier Burgen Vorderburg, Mittelburg, Hinterburg und Schwalbennest und die Stammburg der Edelfreien von Steinach.

Geschichte

Um 1100 wurde mit dem Bau der Burg begonnen, wahrscheinlich im Lehen des Bistums Worms oder des Bistums Speyer. 1142–1165 wird Bligger von Steinach als Burgherr urkundlich erwähnt. Sein Sohn, der Minnesänger Bligger II. von Steinach baute sie zu einer umfangreichen Stauferanlage aus. Nach dem Aussterben der älteren Linie von Steinach um 1270 wurde die Burg von Bischof Heinrich von Speyer 1272 an seine Gläubiger verpfändet. Bereits 1344 soll die Burg verlassen oder verfallen gewesen sein, da Bischof Gerhard von Speyer einen Vertrag mit dem Wimpfener Propst Peter von Mur über den Wiederaufbau der Burg schloss, der dafür jährlich 20 Pfund Heller und zwei Fuder Wein erhielt. 1366 bekräftigte Karl IV. gegenüber Bischof Lambert von Speyer das Eigentum an der Burg.

1375 erhielt Contz Münch von Rosenberg die Burg zu Lehen. 1418 überließ Bischof Raban von Speyer seinem Vetter Wilhelm von Helmstatt auf Lebenszeit die Burg und seinen Teil der Stadt, nach dessen Ableben 1426 auf dieselbe Weise seinem Neffen Weiprecht III. von Helmstatt, der die offenbar inzwischen wieder verfallene Burg auch zu renovieren hatte. 1427 wurde nach einer Auseinandersetzung zwischen den Helmstatt und den Landschad von Steinach ein gemeinsamer Burgfrieden für Burg und Stadt Steinach ausgehandelt. Auf Weiprecht von Helmstatt gehen größere Umbauten in der Burg zurück. Nach seinem Tod 1490 ging das Lehen auf seinen Neffen Martin von Helmstatt († 1490) über und von diesem auf dessen Töchter Mia, die mit dem auf der Vorderburg ansässigen Blicker XIV. Landschad von Steinach verheiratet war, und Gertrud, die mit Heinrich VI. von Handschuhsheim verheiratet war, womit die Burg in zwei Besitzhälften geteilt war. Bereits 1497 erwarb Heinrich VII. von Handschuhsheim die Hälfte der Landschad mit einem Viertel der Stadt Steinach und dem halben Dorf Epfenbach. Heinrichs ältester Sohn Philipp führte 1529 abermals Bauarbeiten an der Burg durch und verstarb im selben Jahr. Bei der Abwicklung seines Nachlasses kam es zu Streitereien und einem Prozess vor dem Pfälzer Hofgericht, das entschied, dass die Burg Eigentum des Speyrer Domstifts sei. 1541 wurden die Brüder Hans, Hans Pleikard und Christof Landschad von Steinach durch Bischof Philipp von Speyer mit der Burg belehnt. 1545 forderte ein Urteil die von Handschuhsheim auf, die Burg zu räumen, was nach einer Bestätigung des Urteils 1549 geschah. Die Burg blieb bis zum Aussterben der Landschad von Steinach 1635 in deren Besitz.

Die Burg wurde im Dreißigjährigen Krieg (um 1630) zerstört.[1]

Nach dem Aussterben der Landschad zogen die Stifte Worms und Speyer den früheren Lehensbesitz (Hinterburg, Vorderburg und halbe Mittelburg) wieder ein, unterstellten ihn kurz der Selbstverwaltung und übertrugen ihn 1657 Wolf-Heinrich von Metternich zu Burscheid als Lehen. Dieser erwarb im selben Jahr von Dieter VIII. Landschads Tochter Eva Elisabeth auch den früheren Landschad-Allodialbesitz und ebenso die restliche Hälfte der Mittelburg von den Freiherren von Venningen, so dass ab der späten Mitte des 17. Jahrhunderts der Besitz der vier Burgen wieder in einer Hand vereinigt war. Nach dem Aussterben der Metternich-Linie 1753 wurden die früheren Lehen und sogar der früheren Allodialbesitz von den Stiften Speyer und Worms eingezogen. 1803 kam der gesamte Besitz im Rahmen der Mediatisierung an das Land Hessen, das mit dem Erben des Allodialbesitzes, Freiherr von Dorth, einen Vergleich schloss, und diesem neben der als Amtssitz benutzten Mittelburg auch die Ruine der Hinterburg abtrat. 1910 verzichteten die Herren von Dorth auf die Ruine der Hinterburg, deren Unterhalt zu kostspielig war und die darauf wieder an den hessischen Staat fiel.

Anlage

Eine fünfeckige Burganlage auf einem Felsdorn, der nach drei Seiten steil abfällt. Gegen den Berg gesichert mit einer gewinkelten Schildmauer und einem ca. 25 m hohen Bergfried im Winkel der Schildmauer. Von den Enden der Schildmauer ausgehend umschließt eine 3 m dicke Ringmauer aus Buckelquadern die Burganlage. Weiter verfügt sie über aufwendigen Palas mit gotischen Fenstern.

Es bestehen Reste eines zweiten, neueren Palas, welcher vermutlich in der Mitte des 14. Jahrhunderts errichtet wurde. Nach schriftlichen Quellen soll dieser im 15. Jahrhundert mit einem Gewölbe unterfangen worden sein.

Der voll ausgemauerte mindestens 23 m tiefe Brunnen im Burghof hat in 18 m Tiefe eine begehbare Abzweigung in Richtung Mittelburg.

Auffälligster Teil der Burganlage ist der mächtige, aus Sandsteinquadern gemauerte Bergfried, der eine Kantenlänge von acht mal acht Metern mit einer Gesamthöhe von ca. 25 m aufweist. Entlang der gewinkelten Schildmauer des früheren Palas führt eine 49-stufige Treppe zu dem in ca. 10 m Höhe liegenden Hocheingang. Im Innern des Turms folgt eine linksläufige Betontreppe mit insgesamt 63 Stufen, die zu der ca. 22 m hoch liegenden überdachten Aussichtsplattform führt. Von dieser bietet sich ein sehr guter Blick ins Neckartal, auf Neckarsteinach und das gegenüberliegende Dilsberg.

Sonstiges

Die Hinterburg wird von der Neckartalbahn durch einen 139 Meter langen Tunnel unterquert.

Mittelburg (Neckarsteinach)

Die Mittelburg ist eine gut erhaltene und bewohnte mittelalterliche Höhenburg auf 160 m ü. NN bei Neckarsteinach im Landkreis Bergstraße in Hessen. Sie ist die zweitälteste der vier Burgen Vorderburg, Mittelburg, Hinterburg und Schwalbennest.

Geschichte

Besitzgeschichte

Die Mittelburg wurde vermutlich um 1165 von Conrad I. von Steinach, dem jüngsten Sohn Bliggers II. von Steinach, erbaut und war zur Hälfte Lehen des Bistums Worms und zur anderen Hälfte Allod. Nach dem Tod des letzten Nachfahren Conrads, Boppo von Steinach, kam die Wormser Hälfte 1325 an seinen einen Schwiegersohn, Luzzo von Helmstatt, der allodiale Teil an den anderen Schwiegersohn Conrad zu Erbach, der seinen Teil umgehend an den Erzbischof Matthias von Mainz verkaufte, der einen Burgfrieden mit Luzzo schloss und Conrad von Helmstatt als Amtmann in seiner Hälfte einsetzte. Die Wormser Hälfte wurde in schnellem Wechsel mehrfach verpfändet, bis schließlich 1382 der Sohn Luzzos, Boppo von Helmstatt, in ihren Besitz gelangte und damit die gesamte Mittelburg besaß. Boppo verkaufte die Wormser Hälfte 1398 an Hans von Hirschhorn. Nachdem Boppo um 1400 ohne männliche Erben gestorben war, kam der Mainzer Teil der Burg an Reinhard von Neipperg, der sie 1442 an den damaligen Besitzer der Hinterburg, Weiprecht III. von Helmstatt, verpfändete. Nach Weiprechts III. Tod im Jahr 1478 kam es zum Streit zwischen Weiprechts Neffen Martin, der die Mainzer Hälfte besaß, und Hans von Hirschhorn auf der Wormser Hälfte über die Zugehörigkeit einiger zur Burg gehörenden Güter. 1483 wurden Otto von Hirschhorn und dessen Neffen mit dem Wormser Teil belehnt. 1497 erscheint der Burgherr der Vorderburg, Blicker XIV. Landschad von Steinach, als Besitzer eines Viertels, seine Erben verkauften den Anteil an Heinrich VII. von Handschuhsheim, der bereits die Hinterburg besaß. Nachdem die von Handschuhsheim nach einem langwierigen Prozess in den 1540er Jahren die Hinterburg verlassen mussten, verkauften sie im Januar 1550 auch ihren Anteil an der Mittelburg an die Brüder Hans, Hans Pleikard und Christof Landschad von Steinach. Im 16. Jahrhundert gelangten die Landschad wieder in den Besitz der gesamten Mittelburg. 1575 erscheint Christof I. Landschad von Steinach als alleiniger Besitzer und von diesem wurde die Burg bis an seinen Enkel Friedrich († 1653), den letzten Landschad, weitervererbt.

 

Nach dem Aussterben der Landschad zogen die Worms und Speyer den früheren Lehensbesitz (Hinterburg, Vorderburg und halbe Mittelburg) wieder ein, verwalteten ihn kurzzeitig selbst und übertrugen ihn 1657 Wolf-Heinrich von Metternich zu Burscheid als Lehen. Dieser erwarb im selben Jahr von Eva Elisabeth Landschad auch den Landschad-Allodialbesitz und ebenso die restliche Hälfte der Mittelburg von den Freiherren von Venningen, so dass ab dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts der Besitz der vier Burgen wieder in einer Hand vereinigt war. Nach dem Aussterben der Metternich-Linie 1753 wurden die früheren Lehen und sogar der früheren Allodialbesitz von den Stiften Speyer und Worms eingezogen. 1803 kam der gesamte Besitz im Rahmen der Mediatisierung an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die mit dem Erben des Allodialbesitzes, Freiherr von Dorth, einen Vergleich schloss, und diesem neben der als Amtssitz benutzten Mittelburg auch die Ruine der Hinterburg abtrat. Von Dorth erwarb auch die Vorderburg von einem Dr. Wegerich, der sie vom Land gekauft hatte. 1910 verzichteten die Herren von Dorth auf die Ruine der Hinterburg, die darauf wieder an das Land fiel. Mittel- und Vorderburg gelangten beim Tode des letzten Freiherrn von Dorth, Ludwig, 1925[1] an den Sohn seines vor ihm verstorbenen Adoptivsohns Alexander, Boemund Freiherr von Warsberg-Dorth. Heutiger Besitzer ist Johann-Jakob Freiherr von Warsberg.[2]

Baugeschichte

Die zunächst aus einem mächtigen Bergfried und einer kleinen Kernburg bestehende Anlage wurde ständig ausgebaut und später nach dem Vorbild des Heidelberger Schlosses in ein Schloss im Stil der Renaissance mit Säulengalerie und Bogenhalle umgestaltet. Dabei verschwand auch ein Großteil der alten Ringmauer und der Zugbrückenzugang an der Ostseite. Um 1820/1830 wurde sie abermals, nun neugotisch umgebaut. Ob und in welchem Umfang daran Georg Moller und/oder Ignaz Opfermann[3] beteiligt waren, ist nicht eindeutig klar.[4]

Die Burg ist bewohnt und kann nicht besichtigt werden.

Vorderburg (Neckarsteinach)

Die Vorderburg, auch Landschadenburg genannt, ist eine mittelalterliche Höhenburg auf 155 m ü. NN bei Neckarsteinach im Landkreis Bergstraße in Hessen. Sie ist die drittälteste der vier Burgen Vorderburg, Mittelburg, Hinterburg und Schwalbennest.

Geschichte

Um 1200 wurde die Burg von Ulrich I. von Steinach, Sohn des Minnesängers Bligger II. von Steinach, erbaut. Die Burg war jeweils zur Hälfte Lehen des Bistums Speyer und des Bistums Worms. Nachdem 1268 die ältere Linie der Herren von Steinach mit Bligger V. ausgestorben war, kam die Burg an die jüngere Linie der Landschad von Steinach. 1393 wurde der Speyerer Anteil (Steinernes Haus mit halbem Turm) an Henne Triegel von Daudenzell und dessen Sohn Hans entlehnt. 1427 wurde ein Burgfrieden zwischen dem Teil der Landschad und dem Triegelschen Teil geschlossen, jedoch erscheint alsbald im Speyrer Teil ein Eberhard von Angelach als Speyrer Amtmann und Lehensträger sowie bald darauf Weiprecht III. von Helmstatt, der auch Anteile an der Hinterburg und der Mittelburg besaß. 1474 erscheinen die Landschad wieder als Besitzer der gesamten Vorderburg, die überwiegend als Sitz der von Hans IV. († 1571) begründeten Hansischen Linie benutzt wurde und nach dem Tode seines Enkels Dieter VIII. 1625 an Friedrich Landschad von Steinach kam, mit dem 1653 das Adelsgeschlecht erlosch.

Nach dem Aussterben der Landschad zogen die Stifte Worms und Speyer den früheren Lehensbesitz (Hinterburg, Vorderburg und halbe Mittelburg) wieder ein, unterstellten ihn kurz der Selbstverwaltung und übertrugen ihn 1657 Wolf-Heinrich von Metternich zu Burscheid als Lehen. Dieser erwarb im selben Jahr von Dieter VIII. Landschads Tochter Eva Elisabeth auch den früheren Landschad-Allodialbesitz und ebenso die restliche Hälfte der Mittelburg von den Freiherren von Venningen, so dass ab der späten Mitte des 17. Jahrhunderts der Besitz der vier Burgen wieder in einer Hand vereinigt war. Nach dem Aussterben der Metternich-Linie 1753 wurden die früheren Lehen und sogar der früheren Allodialbesitz von den Stiften Speyer und Worms eingezogen. 1803 kam der gesamte Besitz im Rahmen der Mediatisierung an das Land Hessen, das die Vorderburg einem Dr. Wegerich verkaufte. Nachdem der Erbe des Allodialbesitzes, Freiherr von Dorth, durch einen Vergleich mit dem Land Hessen die als Amtssitz benutzte Mittelburg auch die Ruine der Hinterburg erhalten hatte, erwarb er auch die Vorderburg von Dr. Wegerich. 1910 verzichteten die Herren von Dorth auf die Ruine der Hinterburg, die darauf wieder an den hessischen Staat fiel. Mittel- und Vorderburg gelangten beim Tode des letzten Freiherrn von Dorth, Ludwig, im Jahre 1925 an den Sohn seines vor ihm verstorbenen Adoptivsohns Alexander, Boemund Freiherr von Warsberg-Dorth, dessen Nachfahren die Burgen bis heute besitzen.

Anlage

Der Bergfried und der dreistöckige Palas sind noch weitgehend original erhalten. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts umschloss die kleine Burg eine äußere Ringmauer, allerdings mit nur geringer Stärke. Diese wurde im ausgehenden 14. Jahrhundert mit den Befestigungen der Stadt Neckarsteinach verbunden. Der Eingang zum Burghof in Form eines spitzbogigen Tors befindet sich in der heute nur noch in Resten vorhandenen Ringmauer und trägt das Wappen der Landschaden. Die Burg war bis nach dem Dreißigjährigen Krieg gut erhalten und verfiel erst danach. Die nördlichen Wirtschaftsgebäude wurden erst 1815 angebaut. Seit 1825 ist die Burg bewohnbar und von einem Park umgeben. Die Burg ist vermietet und Sitz der Warsbergschen Forstverwaltung.

Burgengruppe Neckarsteinach – Medien

 
 
 
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die Hartbergschule Mosbach nimmt im Rahmen der Medienbildung am Projekt „3D-erleben“ des Kulturministeriums Baden-Württemberg teil. Unter dem Motto „Ritter und Burgen“ erstellte die Klasse 7/8/9 b eine digitale VR-Tour zu dem Projekt „Burgen im Neckartal“. Dafür filmten die Schüler*innen die Burg mit einer 360°-Kamera und einer Drohne ab und beschäftigten sich intensiv mit der Geschichte und Bauforschung der Anlage. Das Projekt wurde dabei durch die Burglandschaft unterstützt. Zusammen mit Sprechtexten ist eine mit VR-Brille sichtbarer virtueller Rundgang entstanden, der nicht nur den Schüler*innen im Schulunterricht sondern auch der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung steht. Ferner wird somit ein barrierefreier Rundgang durch die Burgruinen ermöglicht. Aus Rücksichtnahme auf die Privatsphäre der Eigentümer der Vorder- und Mittelburg wurde das Projekt auf die Hinterburg und Burg Schadeck beschränkt.
Die Dreharbeiten vor Ort wurden von dem Burgenforscher Nicolai Knauer und dem Team der Burglandschaft begleitet. Die Filmaufnahmen mit der 360°-Kamera und der Drohne wurden von den Jugendlichen weitestgehend selbständig durchgeführt. Des Weiteren wurden Nicolai Knauers Ausführungen durchgängig mitgeschnitten, welche als Grundlage für die weitere Bearbeitung des Rohmaterials verwendet wurde. Auch für die umfassenden Rückfragen der Jugendlichen stand der Burgenforscher zur Verfügung. Im Rahmen des Schulunterrichtes fanden in den darauf folgenden Wochen die Nachbereitung und Fertigstellung der VR-Tour statt. Auch zeigte sich der Burgenforscher Thomas Steinmetz dazu bereit seine umfangreichen Publikationen zu den Burgen Neckarsteinach jugendgerecht umzuformulieren. Dieser Text unterstützte die Schulgruppe zusätzlich bei der Nachbereitung. Auf Grund der Corona-Pandemie musste die Finalisierung der VR-Tour aufgeschoben werden, welche aber nun jüngst abgeschlossen ist.

Es ist geplant – sobald sich die allgemeine Corona-Lage entspannt hat – eine Abschlussveranstaltung durchzuführen, um das Projekt der Öffentlichkeit vorzustellen. Näheres hierzu finden Sie dann auf unserer Homepage und Facebook-Seite!

 

Direktlink auf die Seite der Hardbergschule

Link direkt zur Tour

 

Das Schulprojekt war Teil der Fördermaßnahme LandKULTUR.

 

 

 

 

 

Das Faltblatt als Download
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Die Gesamtbroschüre als Download
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Die Infotafel als Download
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